Kultur
26.11.2017

Der Kinohit der Saison kommt aus dem ORF

"Harri Pinter" wird zum Kino-Hit, bevor er ins TV kommt. Andreas Schmied hat den Film gedreht.

Der frühere Eishockeystar Harri Pinter, Spitzname "Drecksau", wird zum Verlierer des gesellschaftlichen Fortschritts: Weniger Arbeit, weniger Macht, dafür selbstsichere Frauen, die sich emanzipiert haben. Der gebürtige Klagenfurter Juergen Maurer, der im ORF die "Vorstadtweiber" aufmischt, legt bei Harri Pinter viel Spiellaune an den Tag. Dass aus diesem Stoff keine Tragödie, sondern eine "Stadtkomödie" wurde – dafür sorgte der österreichische Regisseur Andreas Schmied ("Werkstürmer"). "Harri Pinter, Drecksau", eine Koproduktion von ORF, ARTE und Graf Film, wird sich auch vor dem Kinopublikum beweisen: 15.000 Zuschauer haben den Film bereits in wenigen Kinos in Kärnten und Osttirol gesehen und damit sogar den Hollywood-Hit "Es" verdrängt. Das Novum: Ab 1. Dezember startet der Film österreichweit und könnte nach Josef Haders "Wilder Maus" heuer einer der größten heimischen Erfolge werden.

KURIER: " Harri Pinter, Drecksau" klingt nach einem Menschen, mit dem man sich nicht gerne auseinandersetzt. Wie sind Sie auf die Figur gekommen?

Andreas Schmied: Ich bin in der Steiermark in der Arbeiterklasse aufgewachsen und kenne diese Art Mann sehr gut aus meiner Jugend. Ich glaube, dass in jedem von uns ein kleiner Harri Pinter steckt – meinen konnte ich bisher aber recht gut verdrängen.

Sie haben mit "Werkstürmer" bereits eine erfolgreiche Kino-Komödie gemacht. Jetzt soll auch Ihre TV-Produktion im Kino laufen. Entspricht das der Sehnsucht aller Filmemacher?

Das Kino war immer schon eine Art Kirche für mich! Daher ist diese Möglichkeit, meinen Film mit großem Publikum auf einer großen Leinwand zu sehen, wie ein wahrgewordener Traum.

TV-Anstalten haben für gewöhnlich wenig Lust, einen Film vor der Ausstrahlung "wegzuspielen". Wie ist es Ihnen gelungen, den ORF und seine Partner zu überzeugen?

Es gab von Anfang an ein Kinoformat von diesem Film, denn ich mache beim Drehen keinen Unterschied zwischen Fernsehen oder Kino. Ich sehe mich als Geschichtenerzähler und möchte diesen Job so gut wie möglich machen. Ich arbeite immer für ein möglichst großes Publikum, weil es für mich wichtig ist, dass meine Filme von vielen Menschen gesehen werden. Ob im Kino oder im Fernsehen spielt da keine Rolle. Außerdem hat der ORF mit seinen "Landkrimis", die ja in den jeweiligen Bundesländern in den Kinos gezeigt wurden, sehr gute Erfahrungen gemacht.

Was halten Sie von der hierzulande gerne gemachten Unterscheidung, wonach Kino der Kunst und TV eher dem Kommerz zuzuordnen ist?

Das Fernsehen hat von vornherein sehr viel mehr Zuschauer und muss sich auch an Einschaltquoten messen lassen. Da kommt bei Regisseuren von Kinofilmen die Sorge auf, dass ihr Erfolg auch an Besucherzahlen gemessen wird. Da ich mehr im Unterhaltungs- als im Arthouse-Sektor arbeite und auch kaum sogenannte "Festivalfilme" mache, betrifft mich diese Unterscheidung nicht so sehr. Aber ich denke, dass beide Genres ihre Berechtigung haben und dass man in einem so kleinen Filmland wie Österreich eines nicht gegen das andere ausspielen sollte. Außerdem beteiligt sich der ORF immer wieder an anspruchsvollen Filmen, die bei internationalen Festivals Erfolg haben.

Verstellt es den künstlerischen Zugang, wenn man das Publikum vor Augen hat?

Nein, das finde ich gar nicht! Ich suche immer nach einem individuellen Zugang zu meinen Geschichten und möchte sie so erzählen, wie nur ich das kann. Auch beim "Harri Pinter" war das so! Das ist eine Figur, die sehr leicht in eine Karikatur abdriften kann. Ich wollte diese Figur ernst nehmen, weil sich niemand mit einer Karikatur identifizieren will. Daher war mir auch die Liebesgeschichte sehr wichtig – und vor allem die weibliche Hauptfigur, die von Julia Cencig gespielt wird. Sie ist das Herz der Geschichte! Wir können Harri dabei beobachten, wie er das Herz seines Lebens endlich entdeckt. Das macht auch den tieferen Ernst dieser Komödie aus.

Sie arbeiten gerade auch mit Michael Niavarani an einem Stück. Ist der kabarettistische Witz ein besserer Zugang zum Realismus?

Wir haben begonnen, ein gemeinsames Stück für das Globe-Theater zu schreiben, aber es geht nur sehr langsam voran. Von Niavarani kann ich viel lernen, denn der Mann ist ein Komödien-Genie und sehr schlau und belesen. Wir haben stundenlang über das Leben und über Shakespeare geredet.