Der Schriftsteller und Blogger Tilman Rammstedt

© APA/dpa/Sebastian Kahnert

Literatur
08/02/2016

Der Hammer hätte den Mund halten müssen

Zum ersten Mal merkt man bei dem Tilman Rammstedt: Er schreibt kindisches Literaturdings.

von Peter Pisa

Angeblich kommt er erst auf die Welt.

Zuerst muss er Vater und Mutter zusammenbringen. Noch sind sie gar nicht aneinander interessiert.

Vater, also der zukünftige Vater, hat soeben Betonpatschen bekommen und wird von einem Kerl, der sich Dimitri nennt, ein gefürchteter Mafioso sein will und sich vor Rolltreppen fürchtet ... Uwe heißt er, bloß Uwe ... in den Main gestoßen.

Während Mutter, also die zukünftige Mutter, in Marseille mit einem charmanten Franzosen schläft – ihn aber (vielleicht, weil sie irrtümlich Tabletten gegen Tollwut geschluckt hat) von sich hinunter schiebt und den flotten Spruch riskiert:

"Mir scheint, das Wetter wird doch noch schön."

Gezwungen

Tilman Rammstedt, humoriger Bachmann-Preisträger 2008, hat diese Show (dieses Literaturdings) heuer zuerst für Abonnenten abgezogen.

Für acht Euro bekamen sie von Jänner bis April immer wochentags eine eMail mit dem Fortsetzungsroman "Morgen mehr".

Der Deutsche mit Wohnsitz in Berlin ist bekannt für seine Schreibblockaden, und damit zwang er sich zu mehr als einem Satz pro Tag.

Danach wurde das Zersplitterte fürs Buch etwas in Form gebracht – und man merkt:

Ziemlich kindisch ist das Ganze. Und das ist das Interessante: Dass man merkt, wie kindisch es ist.

Denn zuletzt, in "Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters" (2012), hatte man es derart lustig bei Rammstedt, dass man gar nicht auf die Idee gekommen wäre, über den Blödsinn den Kopf zu schütteln.

Damals wurde Bruce Willis vom Autor via Internet aufgefordert, seinem Bankberater, der soeben seine Bank überfallen hatte, aus der Patsche zu helfen. Denn die Polizei war schon sehr nahe, und einem berühmten Action-Helden fällt vielleicht etwas ein ...

Also, das war schon auch ein bissl kindisch mit dem Bankberater, aber genialerweise fiel das nicht (nicht allen) auf.

In "Morgen mehr" misslingt dieses kunstvolle Täuschungsmanöver. Da kann der 41-Jährige noch so viele Einfälle aneinanderreihen. Alles wirkt angestrengt.

Man sieht das Kindische und verliert deshalb schön langsam die Lust an der Spielerei.

Kletterschaf

Manchmal lässt Tilman Rammstedt die Handlung sausen. Die Grundidee erlaubt alle möglichen und unmöglichen Schlenker

Dann beantwortet zum Beispiel ein Hammer (genau, ein Hammer) Fragen zum Thema, wie man die Zeit anhalten kann.

Und die Sehnsucht (genau, die Sehnsucht) ruft im Verhör: "Ich bin ja nur die Sehnsucht. Ich mache nur meinen Job. Ich zeige auf, was alles fehlt."

Dass ein Schaf auf den Eiffelturm klettert, ist in diesem gewollten Chaos wirklich nicht der Rede wert.

Schafe sind und bleiben uns fremd.

Tilman Rammstedt:
„Morgen mehr“
Hanser Verlag.
208 Seiten. 20,60 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern

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