Dominic Oley als "Pontignac, der Gockel" und Pauline Knof als "Lucienne Vatelin".

© APA/HERBERT NEUBAUER

"Der Gockel" in der Josefstadt

Ein Räderwerk der Wirrungen und Untreue

Feydeaus Farce "Der Gockel" in der Josefstadt offenbart die verzweifelte Komik einer Komödie.

von Werner Rosenberger

11/20/2015, 05:31 PM

Die Josefstadt ist mit "Der Gockel" in der sprachlich pointierten Übersetzung von Elfriede Jelinek ein veritabler Vorweihnachtshit gelungen.

Georges Feydeau, der Molière der Belle Époque, hat sich seine Unsterblichkeit zwischen Posse, Farce und Komödie erschrieben. Tiefgang darf da niemand erwarten. Aber Unterhaltung pur.

Feydeau machte sich nicht nur einen Jux, sondern viele. Das hieß dann Vaudeville und war meist schlüpfriger Verwechslungsspaß mit viel Tür auf, Tür zu.

Vergreift sich da ein minderbegabter Regisseur an den Stücken des Königs des französischen Lustspiels, werden sie rasch zur klappernden Klamotte – und die Figuren zu Knallchargen.

Nicht so bei Josef E. Köpplinger, der mit der Lust am Heiteren, am Komödiantischen bestens umzugehen versteht – wie zuletzt bei seiner Volksoper-Inszenierung des "Weißen Rössl".

Der die Klipp-Klapp-Mechanik der Feydeau’schen Lustspielmaschinerie zügig beschleunigt. Und der genau weiß: Wahnwitz verlangt ein hohes Tempo.

Ob eheliche Rösselsprünge und Seitensprünge, hanebüchene Verwechslungen und halsbrecherische Ausreden: Alles ist exakt durchkonstruiert. Alles schnurrt nonstop ab mit der Präzision eines Uhrwerks.

Ein Filou erster Güte

Dominic Oley spielt seine erste Hauptrolle am Haus mit viel Körpereinsatz, "ein bisschen verheiratet", aber eigentlich ein Windhund, ein liebeshungriger Gockel, der vom Sockel stürzt.

Michael Dangl und Roman Schmelzer sind im rasanten Räderwerk der Irrungen, libidinösen Wirrungen, Gelüste und der männlichen Untreue abwechselnd erotische Abenteurer und Profiteure in frivol doppeldeutigen Situationen.

So dass "die verzweifelte Komik einer Komödie" sichtbar wird, so Jelinek, "in der der Mann die Frau besitzt und auf sein Eigentum aufpassen muss, während er für sein eigenes außereheliches Amüsement" größte Anstrengungen unternimmt.

Pauline Knof ist in der Eskalation heimlicher Verabredungen, Lügen, Versteckspiele und Verwicklungen zu einem Rache-Gspusi entschlossen, um auszukosten, was Alexandra Krismer und Susa Meyer ohne moralische Skrupel längst für sich beanspruchen. Denn wie singt doch Edith Piaf: "Non, je ne regrette rien."

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