Nuruddin Farah

© APA/EPA/DAI KUROKAWA

Literatur
06/17/2016

Der arrogante Tod schneit überall herein

Nuruddin Farah: Am Anfang der Familiengeschichte steht ein Bombenanschlag in Somalia.

von Peter Pisa

Nuruddin Farah ist Weltliteratur, er ist auch Somalia, und seit seiner Trilogie "Links", "Netze" und "Gekapert" löst sein Name reflexartig Angst aus.

Angst vor diesem afrikanischen Land im Bürgerkrieg, in dem auch internationale Ärzte erschossen oder von Bomben zerfetzt werden, wenn sie den Clans oder den weiß gekleideten, Peitsche tragenden Al-Shabaab-Schergen im Weg stehen; Journalisten sowieso.

Herrschende Terroristen lehnen sogar internationale Hilfe ab und lassen lieber 100.000 Kinder verhungern.

Von Nuriddin Farah stammt der Satz: "In Somalia macht sich der Tod selten die Mühe und kündigt sein Erscheinen an. Stattdessen schneit er mit der Arroganz eines Gastes herein, der davon ausgeht, dass er jederzeit herzlich willkommen ist."

Der Roman "Gekapert" war bisher am schlimmsten.

Fast eine Reportage über ein fernes Land, das Selbstmord begeht.

Ansprüche

Farah, der 1974 ins Exil ging und heute in Kapstadt lebt, hat schon viel geweint wegen Somalia. Diesmal sorgt er sich um die Nachkommen, um die Halbwüchsigen ... und erzählt vom UN-Mitarbeiter, der in Mogadischu einen Einsatz hat und bei einem Selbstmordanschlag ermordet wird.

Seine Tochter und sein Sohn, beide Teenager, sind in Nairobi im Internat.

Aus Italien eilt die Schwester des Terroropfers herbei, Bella ist Modefotografin, Kontakt mit Nichte und Neffe hatte sie immer – im Gegensatz zur Mutter von Salif und Dahaba.

Die Mutter hatte sich längst aus der Ehe und von ihrer Familie verabschiedet und lebt mit einer Frau aus Uganda zusammen.

’s ist ein Problem, wenn sich Valerie nach Jahren erinnert, dass sie Kinder hat und Ansprüche stellt.

Wachsen

Farah Nuruddin lässt sie wachsen. Alle lässt er wachsen, reifen, sich arrangieren. "Jenes andere Leben" ist ein Weiterleben, es gibt ein Größerwerden, nicht nur für die zwei Pubertierenden,eine der Fragen lautet:

Können sie sich trotzdem noch in erster Linie als Somalier und Muslime verstehen?

Und Farah, der mittlerweile 70-jährige Kandidat für den Nobelpreis, schaut dabei ruhig zu und lässt alle miteinander reden. Man muss ihm Zeit lassen. Man muss sich Zeit nehmen. Familien sind überall kompliziert.


Nuruddin Farah:
„Jenes andere Leben“
Übersetzt von Susann Urban.
Suhrkamp Verlag. 382 Seiten. 25,70 Euro.

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