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Kultur
01/11/2019

David Duchovny: Hilflos gegenüber Verbrechen an der Menschheit

Der Serien-Star sprich im KURIER-Interview über sein Wien-Konzert, die Musik-Karriere und Präsident Trumps größten Fehler.

„Wenn die Leute über meine Songs herzogen, ohne dass sie sie gehört haben – das hat mich schon sehr genervt!“

David Duchovny, der Star der TV-Serien „Akte X“ und „Californication“, erinnert sich an die Zeit, als er 2015 sein erstes Album mit Folk-Rock-Songs rausbrachte und mit all den üblichen Vorurteilen gegenüber singenden Schauspielern begrüßt wurde. 2018 hat er sein zweites Album „Every Third Thought“ veröffentlicht, kommt damit am 12. Februar in die Wiener Arena. Die Kritik ist deshalb nicht verstummt. „Ich verstehe es nicht, denn mir ist egal, von wem Musik kommt“, sagt er im KURIER-Interview. „Entweder sie gefällt mir, oder eben nicht. Selbst wenn Paul McCartney mir etwas vorspielen würde, würde ich es nur danach beurteilen.“

Musik zu machen begann der Amerikaner als Bub. „Ich ging in eine Schule, die von Folk-Legende Pete Seeger (,Where Have All the Flowers Gone?’, Anm.) gegründet wurde. Wir spielten auf der Blockflöte – Songs wie ,Blowing In The Wind’ und ,We Shall Overcome’.“

Später wurde Duchovny zum Beatles-Fan, liebte auch Elton John, The Who und die Stones. Während des Literaturstudiums packte ihn das Schauspielfieber, und er startete als Fox Mulder in „Akte X“.

Lasterhaft

Danach spielte er in der Hollywood-Persiflage „Californication“ den lasterhaften Schriftsteller Hank Moody, der weder den Drogen noch den Sex-Eskapaden mit häufig wechselnden Partnerinnen abschwören kann, wurde dafür mit einem Golden Globe ausgezeichnet.

In jüngster Zeit war Duchovny auch als Regisseur, Produzent und Bestseller-Autor tätig. Sein dritter Roman „Miss Subways“ erschien 2018. Bei keiner dieser Tätigkeiten musste er mit so vielen Vorurteilen kämpfen wie als Musiker. Mittlerweile aber nimmt er das Böse mit dem Guten: „In Wien habe ich vor ein paar Jahren vor 3000 Leuten gespielt. Mir ist natürlich klar, dass ich keine Chance hätte, so viel Publikum zu ziehen, wenn ich als Unbekannter kommen würde, der mit 50 Jahren sein Debüt-Album draußen hat.“

Angefangen hat Duchovny mit dem Gitarrespielen als Zeitvertreib, weil er bei Dreharbeiten oft lange im Trailer darauf warten muss, dass das Licht eingerichtet oder das Set fertig ist. „Ich fand, Gitarre zu lernen macht mehr Spaß, als ein Kreuzworträtsel zu lösen. Eines Tages dachte ich, ich versuche mal, einen Song zu schreiben. Warum nicht? Ich suchte mir also eine Akkordfolge und hatte sofort eine Melodie dazu im Ohr. Das hat mich dann schon selbst überrascht.“

Widersprüchlich

Seine Texte hält Duchovny gerne widersprüchlich. In „Half Life“ vergleicht er zum Beispiel die Beständigkeit der Liebe mit der Halbwertszeit der Radioaktivität. Und in „When The Whistle Blows“ beschreibt er – als glühender Umweltaktivist – eine Beziehung vor dem Hintergrund des Weltunterganges.

„Ich bin unsagbar enttäuscht von Trumps Umweltpolitik. Er müsste viel rigorosere Entscheidungen treffen. Wir Amerikaner sind die größten Umweltverschmutzer und entziehen uns unserer Verantwortung. Für mich ist das ein Verbrechen an der Menschheit. In 100 Jahren werden sie uns für die schlimmsten Kriminellen halten, weil wir das erlaubt haben. Ich fühle mich da oft hilflos, denn es hängen viele Interessen in Bezug auf Macht und Geld daran. Wir Menschen denken aber von Natur aus nur an unsere Interessen von heute und morgen. Leute dazu zu bringen, jetzt für einen Nutzen in 20 Jahren Opfer zu bringen, ist sehr, sehr schwer.“

Nach der Tour will Duchovny an einer Verfilmung seines Romans „Bucky Fucking Dent“ arbeiten. Neue Folgen von „Californication“ wird es nach der #MeToo-Debatte und den Vorfällen in Hollywood nicht so bald geben. „Ich bin ständig in Kontakt mit Produzent Tom Kapinos, und man sollte niemals nie sagen. Aber zur Zeit wäre es sehr schwer, die Themen dieser Show wieder aufzugreifen.“