Regisseur David Cronenberg debütierte im Alter von 70 als Schriftsteller. Kollegen stehen Schlange, um den Roman zu verfilmen

© REUTERS/ERIC GAILLARD

Die Unersättlichen fressen sich sogar selbst auf
10/04/2014

Die Unersättlichen fressen sich sogar selbst auf

"Verzehrt": Der Regisseur gibt sein Debüt als Schriftsteller und erschreckt mit Kannibalismus.

von Peter Pisa

Bitte gut festhalten – obwohl, eigentlich wird bloß der menschliche Körper zerstört bzw. er verfällt, wie fast immer in den Filmen von David Cronenberg, wie immer im Leben:

In Paris ist eine Frau gekocht und (teilweise) verspeist worden. Zumindest lag ein Teil ihrer linken Brust im Eiskasten. Da seien Insekten drinnen, hatte sie früher angewidert über ihre Brust verkündet und stand deshalb mit nordkoreanischen Forschern in Verbindung.

Ihr Mann setzte sich jedenfalls nach Japan ab.

Frage: Welchen Beruf haben (hatten) die beiden?

Sehr richtig, es handelt sich um zwei berühmte Philosophen, ähnlich Sartre und Simon de Beauvoir.

Konsumation

Man verzehrt sich nach einem anderen, und man verzehrt den anderen, deshalb heißt der allererste Roman des 71-jährigen kanadischen Filmregisseurs David Cronenberg ("Naked Lunch", "Die Fliege", "Maps to the Stars") "Verzehrt".

Im Original ist "Consumed" der Titel – denn manche konsumieren ja unersättlich, Cronenberg veranschaulicht den Kapitalismus mit erschreckenden Bildern. Und zeigt, als Klammer, ein modernes Liebespaar, das einander vor allem über Skype nahe ist: Naomi und Nathan sind bestens ausgerüstete Foto- und Videoreporter.

Sie recherchiert die Pariser Kannibalengeschichte, er fotografiert eine Brustkrebsoperation in Budapest und lernt danach eine junge Arzttochter kennen, die sich kleine Stücke Fleisch aus ihrem Körper schneidet, auf Tellern serviert und verspeist.

Harter Stoff.

Sex gibt es auch, und gibt es keinen Sex, wird darüber geredet, und wird nicht darüber geredet, steht wenigstens, dass "der Arsch eines holländischen Mädchens wie Thunfisch schmeckt".

Alles Apple

Man kann nicht behaupten, dass "Verzehrt" kalt lässt. Obwohl er so kalt geschrieben ist – was auch mit der ausführlichen Beschreibung von Kameras, Objektiven, Linsen gelingt.

Cronenberg will den Roman nicht verfilmen. Aber schon haben sich fünf Regie-Kollegen angestellt ...

Es gibt kaum noch amerikanische Autoren, in deren Büchern Laptops bzw. Notebooks vorkommen. Oft wird nicht einmal mehr das MacBook eingeschaltet, sondern nur noch "das Air", und telefoniert wird sowieso mit iPhone. David Cronenberg baut auch das iPad ein. Zahlt Apple so viel? Man bekommt Lust auf (gebrauchte) Nokia.

KURIER-Wertung:

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