Das Wiener Volkstheater, ein Selbstbedienungsladen

Das Wiener Volkstheater, ein Selbstbedienungsladen
Trenklers Tratsch: Der Stadtrechnungshof Wien berichtet über defekte Handys, variable Zulagen und Überstundenkaiser

Der Bericht des Stadtrechnungshofs Wien über das Volkstheater, vergangene Woche veröffentlicht, hat es in sich. Einerseits, weil das Versagen von Anna Badora ausführlich dokumentiert ist. Mitunter konnten nicht einmal die sehr niedrig angesetzten Zielvereinbarungen, etwa ein Eigendeckungsgrad von 22 Prozent, erreicht werden.

Das Kulturamt unter der Leitung von Stadträtin Veronica Kaup-Hasler bekannte ein, dass die vereinbarten Kennzahlen „aufgrund des schwachen Publikumsinteresses“ nicht eingehalten werden konnten. Konsequenzen aber gab es keine, was der StRH nachvollziehbar nicht nachvollziehen kann: Badora machte einfach weiter.

Der empfindliche Einnahmenrückgang (bei den Kartenverkäufen innerhalb von drei Saisonen um 17,8 Prozent) ist daher mit ein Grund, warum das Volkstheater in eine „finanziell angespannte Situation“ geriet. Und das ist noch vornehm ausgedrückt. Das Haus schrammte an der Zahlungsunfähigkeit vorbei: „Im Prüfungszeitraum war das Working Capital durchgehend negativ und spiegelte damit die permanent geringen Liquiditätsreserven der Volkstheater GmbH wieder.“ Die Eigenmittelquote z.B. lag nur knapp über dem Grenzwert von acht Prozent. Wenn Badora auch nur annähernd die Erfolgszahlen von Kollege Herbert Föttinger in der Josefstadt erreichte, die Volkstheater-Welt sähe rosiger aus.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum das Haus, in dem der Gewerkschaftsbund über die Volkstheaterstiftung das Sagen hat, darniederliegt: Weil man mit den Subventionen geradezu gönnerhaft umgeht. Und weil das VT ein Selbstbedienungsladen ist. Man zahlte z.B. über die gesetzlichen Abfertigungen hinaus freiwillige aus. Man kaufte innerhalb von nur drei Jahren 14 Akkubohrschrauber – immer, wenn ein Akku den Geist aufgab. Ferner war nicht nachvollziehbar, weshalb man an leitende Mitarbeitende vier hochpreisige Handys ausgab, von denen drei bereits nach kurzem als angeblich „defekt“ ausgeschieden wurden. Wohl ein Fall für die Wundertüte.

Und mit leichter Süffisanz hält der StRH fest, dass man in der Saison 2017/’18 rund 130.000 Euro an zwei Ex-Direktoren, darunter Emmy Werner, als Zusatzpension ausbezahlte.

Hinzu kommt die veraltete Struktur. Vor nun genau zwei Jahrzehnten wurden die Bundestheater ausgegliedert. Auch deshalb, um neue Kollektivverträge abschließen zu können. Die alten hätten, was selbst den Sozialdemokraten einleuchtete, die Häuser unfinanzierbar gemacht. Im Volkstheater hingegen gibt es nach wie vor für die Bühnentechniker die absurdesten Zulagen: ein Mittagsgeld, ein Klaviertragegeld, ein Kuttengeld (wenn man in Verkleidung agiert) und sogar eine Erschwerniszulage, wenn ein Dienst in der Nebenspielstätte Volx/Margareten ansteht.

Man zahlte Strafmandate, man gewährte grundlos die Zulagen „allgemein“ wie „variabel“, man zahlte viele Überstunden. Manch einer schrieb gar 100 Überstunden pro Monat. Mit ihnen konnte man sich das Gehalt um bis zu 21.700 Euro pro Jahr aufbessern. Nach dem Arbeitszeitgesetz ist das zwar nicht zulässig. Aber bei den eigenen Leuten drückt der ÖGB wohl gern einmal ein Auge zu ...

 

Redaktionelle Notiz: Eine ursprüngliche Version dieses Textes enthielt einen Interpretationsfehler, den wir mit Bedauern korrigieren: Michael Schottenberg erhält keine Zusatzpension.

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