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Kulturpolitik
01/19/2015

Das Weltmuseum wird kleiner, ein Haus der Geschichte kommt

700 m² Ausstellungsfläche weniger, rund 11 Millionen Euro Baukosten werden eingespart.

von Michael Huber

Nur mehr 3.900 statt wie bisher 4.600 m² Ausstellungsfläche soll das neue "Weltmuseum" besitzen. Durch eine Umordnung der Sammlungen in der Neuen Burg sollen 3000 m² für ein "Haus der Geschichte" frei gemacht werden. Darauf einigten sich Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ), die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums (KHM), Sabine Haag, und Weltmuseum Wien-Chef Steven Engelsman am Montag.

Der Umbau – ursprünglich mit 27,5 Millionen Euro budgetiert – solle demnach nur mehr 16,6 Millionen Euro kosten. Ob die damit frei gewordenen elf Millionen Euro für die Errichtung des von Nationalbibliothek und Staatsarchiv getragenen "Hauses der Geschichte" reichen, soll nun geklärt werden.

Das Haus soll 2018 – zum 100-Jahr-Jubiläum der Gründung der Republik – eröffnet werden. Man nutze "die einmalige Chance, die Situation am wohl geschichtsträchtigsten Ort der Republik neu zu gestalten", erklärte Ostermayer.

Der Minister hatte Ende November 2014 überraschend einen "Baustopp" für das Weltmuseum verhängt. Sein Wunsch nach einer "Redimensionierung" hatte zahlreiche Proteste von Ethnologen und Museologen ausgelöst. Direktor Steven Engelsman nannte ebenfalls einige Punkte, ohne die das Museum nicht erfolgreich zu führen wäre. Vor allem Veranstaltungsräume waren dem Niederländer, der seit 2012 das Haus leitet, ein zentrales Anliegen.

Dieser Raum für Veranstaltungen bleibt offenbar bestehen: Das Weltmuseum konzentriert seine Aktivitäten auf das "Corps de Logis", den nächst der Ringstraße gelegenen Trakt der Neuen Burg mit seinem prächtigen Atrium. Fünf Räume, die in den Burggarten-Trakt des Gebäudes reichen, werden aufgegeben.

Der hier geplante "Korridor des Staunens" – ein Schaudepot, das einen Querschnitt durch die reichen ethnografischen Sammlungen bietet – wird nicht realisiert. Laut Engelsman soll die Sammlung Alter Musikinstrumente, die ebenfalls Teil des KHM-Museumsverbunds ist, in die Räume übersiedeln. Dazu wird das in Kooperation mit dem Verein ZOOM geplante "Kindermuseum" gestrichen.

Damit wird Platz geschaffen für ein "Haus der Geschichte" in der Neuen Burg – in jenem Gebäudeteil, auf dessen Balkon einst Hitler zu den Massen sprach.

Die Betriebskosten des verkleinerten Weltmuseums werden aus der geltenden Basisabgeltung des KHM bestritten werden können, heißt es aus dem Kulturministerium. Zunächst war von einem Mehrbedarf von 2,3 Millionen Euro die Rede gewesen. Die Umbauarbeiten am Weltmuseum könnten rasch fortgesetzt werden; an einem Eröffnungstermin im Jahr 2017 wird festgehalten.

Das "Haus der Geschichte" soll mithilfe von Nationalbibliothek und Staatsarchiv entwickelt werden. Dass es einst ebenfalls dem KHM-Verbund unterstehen könnte, schloss dessen Generaldirektorin Sabine Haag aus.

Auferstehung einer Idee: Das "Haus der Geschichte"

Es ist nicht ganz so spannend wie „Batman“, hat aber mindestens so viele Fortsetzungen: Zum „Haus der Geschichte“, gedacht als Lern-Ort zur Historie Österreichs seit 1918, wurden seit 1998 zahlreiche Machbarkeitsstudien erstellt, die alle im politischen Hickhack zerbröselten. Der Vorstoß von SP-Minister Ostermayer bringt das Haus nun wieder aufs Tapet.

Hintergrund: 2018 wird das Jubiläum „100 Jahre Republik Österreich“ gefeiert, und es besteht Zugzwang, ein würdiges Jubiläumsprojekt von Bundesseite vorzuweisen. In Niederösterreich arbeitet man parallel an einem „Haus der Geschichte“ im Kontext des Landesmuseums; es soll 2017 eröffnen.

In Wien harrt zugleich das Areal des Heldenplatzes seiner Neugestaltung. Der neue Bücherspeicher der Österreichischen Nationalbibliothek soll ebenfalls hier entstehen, das ist im Programm der Bundesregierung als Ziel festgeschrieben.

Aus dem Büro von Josef Ostermayer heißt es, die Redimensionierung des Weltmuseums sei nun ein „erster Schritt“, Anknüpfungspunkte zum Haus der Geschichte und Tiefspeicher würden „im Laufe der weiteren Gespräche erarbeitet werden“.

In einer Lehrveranstaltung an der Abteilung Hochbau der TU Wien arbeiten inzwischen mehr als 550 Studierende an Entwürfen für ein „Haus der Geschichte“ – vor Volksgarten und Bundeskanzleramt. Für den Leiter der Abteilung, Gerhard Steixner, verdient das Haus einen Neubau: „Es sollte an diesem Platz nicht nur das Erbe der Monarchie Platz finden.“

Die Welt ist klein

Das Haus der Geschichte kommt. Na endlich, kann sich auch derjenige denken, dem das nicht das größte aller kulturpolitischen Anliegen ist. Wenn es nun wirklich realisiert wird, dann ist zumindest eine jener Diskussionen zu Ende, die hierzulande so gerne mit verkniffener Beharrlichkeit bis zum Sankt-Nimmerleinstag ausgedehnt werden (liebe Grüße an die Schulreform). Bis 2018 soll nun eine Ausstellung entstehen, die die österreichische Geschichte in allen Facetten erzählt. Das ist überaus ambitioniert. Die Selbstsicht und die historischen Fakten sind bekanntlich nicht immer die besten Freunde. Dass im Zuge dessen das Weltmuseum kleiner wird, dass also zugunsten der historischen Selbstschau der historische Blick über den Tellerrand räumlich und finanziell eingeschränkt wird – das darf man wohl nicht symbolisch nehmen.

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