Kultur
17.11.2017

Das Mikrofon, ein Lichtschwert

Die Zweitverwertung von Peter Kliens "Willkommen Österreich"-Reportagen im Rabenhof-Theater.

Vor eineinhalb Jahren, im April 2016, brachten Dirk Stermann und Christoph Grissemann in ihrer Late-Night-Show "Willkommen Österreich" den ersten Beitrag von Peter Klien, der bis dahin nur Gagschreiber für sie gewesen war: eine Reportage über die Nationalratswahl, die es in sich hatte. Denn der biedere Reporter mit dem ORF-Mikrofon in der Hand stellte bitterböse wie hinterfotzige Fragen, die ihm wohl keiner zugetraut hätte.

Im mausgrauen Anzug, seiner bekannten Arbeitskleidung, schritt der Altphilologe nun, am Mittwoch, auf die Bühne des Rabenhofs – zur Zweitverwertung seiner Arbeit als "Reporter ohne Grenzen". Das Intro von Stermann und Grissemann verhieß eine große Show; und Klien versprach einen erhellenden "Blick hinter die Kulissen". Er bezeichnete das ORF-Mikro als Lichtschwert des Journalismus: Die Massen würden, dessen ansichtig, zurückweichen; und man gewinne damit jeden Kampf.

Doch Klien hatte den Mund etwas zu voll genommen: Der Cut-outs gab es nur wenige. Dass der Bruder von Ö3-Wecker-Moderator Robert Kratky zu intervenieren versuchte: ja, eh. Und dass der ORF einmal Zensur übte, war alles andere als skandalös. Denn Klien fragte Ursula Stenzel nach ihrer Lebensplanung: Heim ins Reich – oder reich ins Heim?

Klien brachte in der Regie von Nadja Maleh eigentlich nur ein Best-of seiner ausgestrahlten oder auf YouTube gestellten Reportagen. Sie unterhalten, auf großer Leinwand im Kollektiv geschaut, wirklich gut. Zumal der Mann, der alles andere als eine Rampensau ist, immer wieder unterbricht, um Begebenheiten pointiert zu kommentieren. Running Gag ist ein vor Klien davoneilender Sebastian Kurz: "Durch mich weiß er, wie es sich anfühlt, ein Flüchtling zu sein."

Folgen und finden

Klien streut bedenkliche wie liebevolle Postings auf seine Beiträge ein, er geniert sich auch nicht für Entgleisungen ("Syrer, befiehl, wir folgen dir!"), und über manche Begebenheiten kann er nur berichten. Etwa, dass ihm ein FPÖler mit "Wenn du das sendest: Ich find’ dich!" gedroht hätte. Seherwünsche ernst zu nehmen, sei da Pflicht.

Höhepunkt war die einzige bisher nicht bekannte Reportage – über einen Parteitag der Grünen als Treffen der Veteranen und Unbedarften. Großes Kino, sehr trist!