Schulfreie Woche, 1949

© Balthus/Courtesy Sotheby's

Kunst
02/24/2016

Das Malergenie mit dem gierigen Blick

Die Werkschau des Malers Balthus umfährt Skandale großräumig – und bleibt doch unbequem.

von Michael Huber

Ist sich der Mann mit seiner Motivwahl selbst im Weg gestanden? Oder verdankt er ihr erst seinen Status in der Kunstgeschichte?

Von Balthasar Klossowski de Rola – kurz Balthus – führt eine Abkürzung geradewegs zu einer moralischen Debatte. Die eine Seite wirft darin dem Maler (1908 – 2001) vor, erotische Vorlieben für junge Mädchen schamlos zum Bildmotiv gemacht zu haben. Andere sehen gerade in der Ambivalenz von Balthus’ Akten die Modernität des Malers: Der Künstler bannte die Vieldeutigkeit des „Nicht-mehr-und-noch-nicht“ auf die Leinwand; seine Bilder spielen den Voyeurismus-Verdacht an die Betrachter zurück und binden sie so direkt ein.

Man kann der Balthus-Schau des Bank Austria-Kunstforums vorwerfen, keine klare Position zu diesen Fragen zu beziehen: Nur wenige Werke sind anrüchig, es dominieren Porträts, Atelierszenen, Stillleben, Landschaften und bisher kaum bekannte Bühnen- und Kostümentwürfe, die Balthus u.a. für Antonin Artaud schuf.

Der Künstler, der sich in diesem Parcours zeigt, ist allerdings genauso schwer fassbar wie der zum „Skandalmaler“ gestempelte Adelsspross, der in der Kunstwelt stets Einzelgänger blieb.

Famoser Maler

Von der Frühzeit, in der Balthus Meister der Frührenaissance kopierte, bis zu späten Gemälden zeigt die Schau die Entwicklung eines famosen Malers: Die düsteren Werke der 1930er und ’40er, in denen Figuren starr blicken und Objekte in seltsamen Verhältnissen zueinander stehen, machen später Platz für luftige Bilder, die sich, wie Kuratorin Evelyn Benesch erklärt, der Fresko-Malerei annähern. Das Licht von Vermeer, die Volumina von Cézanne, die Dekorativität von Klimt – Balthus schien alles im Handgelenk zu haben.

Dass Balthus seine eigene (junge, nackte) Frau als Teil einer Gesamtdekoration malte („Das türkische Zimmer“, 1965 -’66) ist aber nur ein Indiz dafür, dass der Maler seine „Meisterschaft“ in einem äußerst altmodischen Sinn verstand.

Selbst unverfängliche Sujets – die Porträts von Schlafenden, das Bild des preiferauchenden Pierre Leyris und seiner spielenden Frau (1932), „Der Maler und sein Modell“ (1980) strotzen vor einer Asymmetrie der Macht- und Geschlechterverhältnisse, die man aus heutiger Sicht nur rückschrittlich finden kann.

Dass im Spätwerk zwischen Landschaften und Straßenbildern noch einmal erotische Polaroid-Fotos eines jungen Mädchens auftauchen, unterstreicht das Befremden bloß. Doch das Unwohlsein, das Balthus auf der Ebene der Macht erzeugt, kommt letztlich auch ohne Pädophilie-Debatte aus.

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