Kultur
21.02.2018

Das langsame Ende eines Hauses der Geschichte

Trenklers Tratsch: Für das geplante Haus der Geschichte gibt es noch nicht einmal einen Mietvertrag - ein halbes Jahr vor der Eröffnung

Ende November 2014 gebar Josef Ostermayer, der damalige Kulturminister (SPÖ), die Idee, in der Neuen Burg am Heldenplatz das Haus der Geschichte der Republik unterzubringen. Und er beauftragte den Historiker Oliver Rathkolb mit einem Konzept. Doch mit der Zeit, unter Ostermayers Nachfolger Thomas Drozda (SPÖ), wurde das Haus zur Zimmerflucht.

Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, hatte wie eine Löwin gekämpft – und sich durchgesetzt: Die Sammlung alter Musikinstrumente musste doch nicht dem "Haus der Geschichte Österreich", so der neue Name, Platz machen. Wiewohl die Räume in der Beletage der Neuen Burg für das Zeitgeschichtemuseum gut geeignet gewesen wären. Denn sie liegen nächst dem "Hitler-Balkon", der streng genommen kein Balkon, sondern ein Söller ist. Von diesem aus verkündete Hitler am 15. März 1938 den "Anschluss".

Der Kompromiss, als Erfolg verkauft, sah vor, das HGÖ in jenen Räumen unterzubringen, die Steven Engelsman, damals Direktor des Weltmuseums, für seinen "Korridor des Staunens" vorgesehen hatte. Das Kunsthistorische Museum, zu dem das Weltmuseum gehört, wurde angewiesen, die Zimmerflucht an das HGÖ zu vermieten. Und zwar für die erste Schau anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der im November 1918 ausgerufenen Republik.

Der Balkon blieb aber Teil des Konzepts: Vorgesehen waren, laut Rathkolb, künstlerische Interventionen. Direktorin, Monika Sommer, im Jänner 2017 bestellt, hielt daran fest: Für den Hitler-Balkon als zentraler Bestandteil des HGÖ setze sie, so die APA, auf wechselnde künstlerische Projekte.

Doch nun kommt’s: Ein halbes Jahr vor der Eröffnung gibt es noch immer keinen Mietvertrag. Denn Johanna Rachinger, als Generaldirektorin der Nationalbibliothek für das eingegliederte HGÖ zuständig, besteht auf einem unbefristeten Vertrag. Paul Frey hingegen, der Geschäftsführer des KHM, will die Räume, die gegenwärtig um sechs Millionen Euro saniert werden, nur für die Dauer der Schau vermieten. Weil das HGÖ bloß für diese eine Subvention erhalten hat. Zudem plant die blau-türkise Regierung laut Abkommen die "Evaluierung der derzeit bestehenden Pläne zum Projekt Haus der Geschichte (z. B. Ort, Konzept, Finanzierung)." Und schließlich: Frey wie Haag wollen die Räume, die zwischen dem Weltmuseum und dem Ephesos-Museum liegen, selber nutzen.

Nein, nicht mit dem "Korridor des Staunens", für den sich mittlerweile ein anderer Ort finden ließ (er wird ab April zugänglich sein): Die Lücke soll mit der Aufstellung des Heroons von Trysa geschlossen werden, deren grandiose Reliefs seit Jahrzehnten im Depot lagern. Bei der Sanierung ließ Frey daher die Trägerkonstruktion verstärken. Diese Ausgabe wäre ja Geldverschwendung, wenn die Räume über 2020 hinaus das HGÖ beherbergten.

Von der Idee sichtbarer Interventionen auf dem Balkon hat sich Monika Sommer bereits verabschiedet. Von 12. 3. bis zur Eröffnung am 12. 11. wird zweimal pro Tag auf dem Heldenplatz zehn Minuten lang "das Klingen von vier Gläsern" – eine fragile Soundinstallation der Turner-Preisträgerin Susan Philipsz – zu hören sein.

In der "Reichskristallnacht" (9. November 1938) steckten die Nazis die Synagogen in Brand – und sie schlugen die Scheiben jüdischer Geschäfte ein. Da klirrten die Gläser.