Sinnlich: Ernesto Netos „Esqueleto Glóbulos“, 2001 (im Besitz von Thyssen-Bornemisza Art Contemporary)

© /Christian Redtenbacher

Doppel-Ausstellung
07/18/2015

Das Künstliche und Natürliche als Traumland sinnlicher Erfahrung

Kunst für die Sinne. Kunst aus Brasilien. Ernesto Neto und Inés Lombardi in der Kunsthalle Krems.

von Werner Rosenberger

Bei brasilianischen Temperaturverhältnissen Kunst aus Brasilien in der Kunsthalle Krems: Ein Fest für die Sinne sind die interaktiven Skulpturen von Ernesto Neto, amorphe Gebilde aus Stoff. Da geht es weniger ums Verstehen als ums Erleben.

Denn Netos Objekte betrachtet man nicht nur. Sie sind – wie bei der Installation "Esqueleto Glóbulos" (2001) irgendwo zwischen Künstlichkeit und urwüchsiger Natur am Beginn der von Hans-Peter Wipplinger kuratierten Schau – begehbar, tastbar, fühlbar. Sogar riechbar, wenn die exotischen Düfte von Gewürzen durch einen Raum wehen und zwangsläufig Erinnerungen an Omas Küche wachrufen.

Bei seiner neuen Installation "Aru Kuxipa/Sacred Secret" (bis 25. 10.) in der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (TBA21) im Wiener Augarten widmet sich Neto, einer der bekanntesten Akteure der brasilianischen Gegenwartskunst, den schamanistisch-spirituellen Traditionen und überlieferten Heilungsritualen der indigenen Völker des Amazonas.

Die Personale in Krems (bis 1. 11.) gibt einen Überblick über das reiche Œuvre des 1964 geborenen Künstlers aus Rio, der 2001 Brasilien auf der Biennale von Venedig vertrat und zuletzt große Ausstellungen im Guggenheim Museum von Bilbao und in New York hatte: Von hängenden Skulpturen, wie "Copulônia" (1989/2009), die Neto bereits seit den späten 1980er-Jahren entwickelt, über die Serie "Naves" aus den späten 1990ern bis zu seiner Mythen- und Legendenwelt und architektonisch anmutenden Knochenstrukturen aus Sperrholz, Wandreliefs aus buntfarbigen Fäden und ausufernden Bodenarbeiten erstreckt sich die Bandbreite seiner Werke.

Schnittstellen

Neto interessieren die Metamorphosen des Natürlichen, der Mensch an der Schnittstelle zwischen Kultur und Natur. Und gleichzeitig reflektiert er in seinen Arbeiten die klassischen Themen der Bildhauerei: Raum und Körper, die Bedeutung der Masse und die Macht der Schwerkraft.

Am Ende der Schau: ein riesiges Zelt aus luftigen Netzen in Orange, als sozialer Raum zum Niedersetzen. Zur Kontemplation. Für die Auszeit zwischendurch oder einen kleinen Plausch.

Emotionalität versus Rationalität. Ein scharfer Kontrast zum Kuschelzelt und zu den Weichskulpturen Netos ist die Retrospektive "Inés Lombardi" (bis 18. 10.) mit Arbeiten aus den letzten fünf Jahren der 1958 in São Paulo geborenen Foto-, Installations- und Objektkünstlerin, die seit vielen Jahren in Wien lebt. Wie mit Räumen, wie mit Architektur umgehen? Wie vollzieht sich eine Reise in Zeit und Raum?

Fragen wie diese führen bei Lombardi zu akribisch ausgeklügelten Inszenierungen. Die mehr als bei Neto den Kopf als die Sinne anpeilen.

www.kunsthalle.at

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