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Literatur
10/01/2016

"Das ist Unkeuschheit, Peter!"

"Suchbild mit Katze" ist der Beginn der Memoiren von Peter Henisch

von Peter Pisa

Ist das schön, dass Peter Henisch im neuen Buch zurück in Wien ist – nicht in der Toskana wie in "Mortimer & Miss Molly", nicht in Frankfurt, Tel Aviv und Rom wie in "Der verirrte Messias".

Sondern zurück bei Vater ("Die kleine Figur meines Vaters", 1975) und der Großmutter väterlicherseits ("Eine sehr kleine Frau", 2007) und der ganzen Mischpoche.

Hier ist er am besten aufgehoben.

Hier ist er am besten.

Diesmal sucht Peter Henisch sich selbst ... inmitten der anderen.

Halbe Wohnung

73 ist er kürzlich geworden und hat eine Operation hinter sich. Er schaut aus dem Fenster, nicht zu weit nach vorne gebeugt, denn die Narbe tut noch weh ... und findet sich, wie er 1947 aus dem Fenster geschaut hat, damals im dritten Wiener Bezirk, Keinergasse 11. Der Vater, Pressefotograf Walter Henisch, hatte eine halbe Wohnung gemietet, die andere Hälfte (das halbe Haus) ist im Krieg abgestürzt.

Auf Scherenschleifer und Musikanten schaut der Vierjährige und hinüber zur Tochter der Hausmeisterin, zur Friedi. Er schmiegt sich an seine Katze Murli, später, so mit sieben, lernen Friedi und er einander tastend kennen, im Erdgeschoß und auch am Donaukanal hinter Büschen – bis die Friedi eines Tages vom Seelsorgeunterricht nach Hause kommt: Unkeuschheit sei das, schade, Peter, man könne später heiraten, aber jetzt:

Pause.

Henisch passt auf, sich in seinem Œvre nicht zu wiederholen. In "Suchbild mit Katze" – das ist so etwas wie der Beginn seiner Autobiografie – verewigt er z. B. auch "die andere" Großmutter, und sein erstes Gedicht, mit dem sie allerdings nichts anfangen konnte, hält er fest:

"Auf der Wiese steht ein Blümlein, /wenn der Wind geht, / wackelt es."

Henisch scheint weniger bemüht, zu gefallen.

Ob jemand Interesse daran findet, dass er im Turnunterricht patschert war oder im Capitol-Kino Filme mit Hans Moser gesehen hat, das scheint ihm nicht so wichtig. So eitel, dass man sich einbildet, jeder will so was wissen, ist hoffentlich niemand.

Wichtig ist: Echt soll die Zeit riechen, in der er aufgewachsen ist. Da gehört auch das Gangklo dazu. Vier Hausparteien teilten sich ein WC.

Und nach Sidol soll es riechen. Damit wurde in der Schule der Boden gereinigt.

Und Einbrennsuppe soll schwer in der Luft liegen.

Ist Henisch 1955 angelangt (und weiter geht’s in diesen Memoiren nicht), dann blüht der Flieder, und "Österreich ist frei".

Der Flieder in Wien riecht noch immer. Nächstes Jahr wieder. Hoffentlich.


Peter Henisch:
Suchbild mit Katze
Deuticke Verlag.
208 Seiten. 20,60 Euro.

KURIER-Wertung: ****

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