Carlos Ruiz Zafón

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Literatur
03/17/2017

Das durchgestylte Barcelona ist am Ende grau

Neues von Carlos Ruiz Zafón: Die Serie mit dem Friedhof der Vergessenen Bücher ist am Ende wieder verführerisch.

von Peter Pisa

Es ist düster. Es ist sehr düster. Der Himmel ist blaugrau. Um ins Bild zu passen, muss der silberhaarige Polizist Vargas in Schwarz auftauchen, und jene Frau, die am wichtigsten ist, heißt Alicia Gris, also – Grau.

Vielleicht noch, allein schon wegen des Farbtupfers, eine Regenlacke mit blutroten Rändern ...

Der 52-jährige Carlos Ruiz Zafón aus Barcelona sagt, er schreibe nicht wie ein Gärtner, der Gedanken und Sätze sprießen lässt. Sondern wie ein Ingenieur.

Seine historischen Romane sind durchgestylt.

Fast ein Thriller

In Nr. 2 und 3, "Das Spiel der Engel" (2008) und "Der Gefangene des Himmels" (2011) hat er damit übertrieben; deshalb war es im Nachhinein fast unangenehm, dass man sich 2003 von der Nr. 1, "Der Schatten des Windes" , so bereitwillig hatte verführen lassen:

Während der Franco-Barbareien waren Menschen und Ideen verloren, und mitten in Barcelona öffnete sich der geheime "Friedhof der Vergessenen Bücher". In diese unterirdische Kathedrale liegen Bücher, die von ihren früheren Freunden, den Lesern, nicht mehr gebraucht werden.

Jetzt wird dieses Universum mit dem vierten und letzten Band abgerundet.

"Das Labyrinth der Lichter" ist am deutlichsten ein Krimi. Ein Thriller fast. Und der zweitbeste Roman der Serie. Ohne viel nachzudenken, muss man sich hineinfallen lassen. Ruiz Zafón ist – leider – nicht an der Diktatur in Spanien interessiert. Es geht ihm bloß ums Dunkle.

Francos Innenminister ist aus guten Gründen entführt worden. Jemand revanchiert sich. Staatspolizist Vargas und die geheimnisvolle Alicia Gris suchen ihn – vor allem suchen sie aber Erlösung.

Wieder spielt ein Buch, ein Kinderbuch, eine Hauptrolle. "Das Labyrinth der Lichter" ist also wieder (auch) eine Hommage an die Bücher.

Es heißt, man kann den Roman allein lesen ohne Vorgeschichte. Na ja. Besser ist, man kennt 1 und 3. (Den Teufel, der einen Hirntumor verschwinden lässt, den kann man sich wirklich ersparen.)

Im Finale werden alle Fragen aus früheren Büchern geklärt. Ist ja schade, wenn man gar keine Fragen hat. Ist allerdings auch schade, wenn man zwar 1 bis 3 gelesen hat, sich aber heute kaum noch daran erinnern kann bzw. will.

Deshalb, zusammenfassend: Es ist meist nicht nur düster, sondern die Dunkelheit ist nahezu vollkommen. Nur ein Schimmer Helligkeit bricht durch. Nur ein Hauch fahlen Lichts, das wie glänzender Staub ist und an den Schatten hängen bleibt.

Und Schluss.

Carlos Ruiz Zafón:
„Das Labyrinth der Lichter“
Übersetzt von Peter Schwaar.
S. Fischer Verlag.
944 Seiten. 25,70 Euro.

KURIER-Wertung: ****

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