Kultur
19.03.2018

Das Balgen um die Subventionen: "Branchen-Wrestling" bei der Diagonale

Trenklers Tratsch: Die alte Debatte Kunst gegen Kommerz geht weiter. Obwohl auch der beim Publikum erfolgreiche Film in Österreich nur mit Geld der öffentlichen Hand realisiert werden kann.

Gemeinsam ist die Klage über die budgetäre Situation. Ansonsten scheint in der Filmbranche jede Gruppe nur für sich zu kämpfen. Die größten Scharmützel gibt es wohl "zwischen denen, die kommerziell-wirtschaftliche Filme machen wollen, und jenen, die mit ihren Filmen gesellschaftspolitische Intentionen verfolgen und auch mit drei Prozent Marktanteil kein Problem haben." So drückt es Werner Müller, Geschäftsführer des Fachverbandes der Film- und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer, in einem Sonderheft des Filmmagazins "ray" zum Stand der Dinge aus.

Doch es geht nicht nur um die alte Debatte Kunst gegen Kommerz beziehungsweise den Konflikt zwischen den Jungen, die an die Futtertröge kommen möchten, und den eifrig Besitzstand wahrenden Arrivierten: Recht unterschiedliche Auffassungen gibt es zum Beispiel auch hinsichtlich des türkis-blauen Regierungsprogramms.

Die Produzentenverbände meinten, dass wesentliche Anliegen der Filmwirtschaft ernst genommen worden seien; der Verband Filmregie hingegen äußerte sich sehr skeptisch, ja sogar konträr – und brachte sich in Stellung: "Filmpolitik ist nicht allein Produzentensache."

Im Auftrag der Diagonale lud Dominik Tschütscher daher letzte Woche nach Graz zu einem "Branchen-Wrestling" ein, wie es Werner Müller nennt. Alexander Glehr, Präsident des Produzentenverbands AAFP, warnte vor einer Radikalisierung; Rudolf Scholten hingegen, SPÖ-Kulturminister in den 90er-Jahren und Aufsichtsratsvorsitzender des Österreichischen Filminstituts, meinte, dass der Begriff "Wrestling" eine Übertreibung sei – und Koketterie beinhalte: Verteilungsstreitereien seien logisch. Den für den Markt produzierenden Regisseuren riet er, nicht zu laut zu schreien: "Auch der beim Publikum erfolgreiche Film kann in Österreich nur mit Geld der öffentlichen Hand realisiert werden."

Die Kunst-Filmer kommen zudem mit viel geringeren Zuschüssen aus. Doch es geht nicht nur ums Geld (bundesweit wird der Film mit etwa 70 Millionen Euro pro Jahr subventioniert), sondern auch um Fördergerechtigkeit: Je höher die Budgets, desto geringer der Frauenanteil, stellte Andrea Pollach vom feministischen Netzwerk FC Gloria fest.

Hinzu kommen die prekären Arbeitsbedingungen – etwa mit etlichen Monaten der Arbeitslosigkeit zwischen den Drehs. Maria Anna Kollmann, Geschäftsführerin des Dachverbandes der Filmschaffenden, präsentierte neue, erneut bittere Zahlen. Diese hätte sie zwar Jürgen Meindl, dem Kunst- und Kultursektionschef, darlegen dürfen. Ein Termin bei ÖVP-Kulturminister Gernot Blümel sie ihr jedoch verwehrt worden. Wie ihr geht es allerdings den meisten. Man fragt sich allmählich, was Blümel die ersten 100 Tage im Amt gemacht hat. Außer, wie am 7. März kundgetan, die kulturelle Zusammenarbeit mit Liechtenstein zu stärken.