Kultur
23.07.2017

"Darf nicht reden. Singe heute. Bussi!"

Dietmar Grieser sucht die Geister jener Orte, wo die Callas, Presley, Slezak ... sangen.

Ein schöner Schauplatz der Musik war z.B. jener Ort, wo das Flüsschen Steyr in die Enns einmündet und – zumindest damals war es so – Hunderte Regenbogenforellen hüpften.

Franz Schubert hatte genau dort die Inspiration fürs Forellenquintett.

Und das Gebäude des US-Radiosenders AFN in Frankfurt war auch ein Schauplatz der Musik. Etwas leichter halt. Elvis Presley nahm am 28. April 1960 das Volkslied "Muss i denn" auf. Ein Hit in Deutschland, ein noch größerer Hit in England, nur die Amerikaner wollten den Song nicht einmal als B-Seite von "Blue Christmas".

14 Zimmer

Und der Heinrichshof gegenüber der Staatsoper: einer der gewaltigsten Schauplätze. Denn dort residierte Kammersänger Leo Slezak in einer 14-Zimmer-Suite.

Na gut, die Witwe des Volksschauspielers Fritz Imhoff hatte dem KURIER-Reporter, es ist gut 20 Jahre her, erzählt, dass die zum Trocknen aufgehängte Unterhose Slezaks aussah wie ein Zelt – eines für vier Mann mindestens.

Also die 14 Zimmer passen schon. (Verließ Slezak die Wohnung und wurde er auf der Straße von Verehrern angesprochen, zeigte er auf eine Tafel, die er am Hals hängen hatte: "Darf nicht reden, singe heute. Bussi!")

Schön ist die Welt

Wer weiß denn sowas? (Außer KURIER-Autor Georg Markus selbstverständlich.)

Dietmat Grieser.

Der Hannoveraner, seit 60 Jahren in Wien und längst eine echte Wiener Tratschen, wird ja immer gefragt, das wievielte Buch es soeben geworden ist. Dann untertreibt er schamlos:

"Im Vergleich zu Donna Leon liege ich im Schnitt."

Aber Donna Leons "Stille Wasser" ist erst der 26. Krimi, und Griesers "Schön ist die Welt" sein 157. Buch.

Geschätzt.

Jedenfalls ist er damit zu seinen literarischen Anfängen zurückgekehrt. Vor gut 40 Jahren brachte er uns "Schauplätze der Weltliteratur" ins Haus. Ein Riesenerfolg. Jetzt Schauplätze der Musik. Für "Heidschi Bumbitschi" ist er in der Türkei unterwegs, die Callas sucht er in Sirmione ...

Überrascht war er am Schneeberg, als er über Raimunds "Köhlerlied" in "Alpenkönig und Menschenfeind" (So leb denn wohl, du stilles Haus) recherchierte: "Der lange ausgestorbene Beruf des Köhlers ist wiederauferstanden, er floriert ..."

Sein Nachsatz überrascht ebenfalls: " ... als Lieferant für die hochaktuelle Grillsaison."

Ein Grieser grillt nicht.

Grieser isst Eiernockerln.

Dietmar Grieser:
„Schön ist die Welt“
Amalthea Verlag.
272 Seiten. 25 Euro.

KURIER-Wertung: ****