© Theater in der Josefstadt

Kritik
10/08/2021

Peymann mit Bernhard in der Josefstadt: Österreich ist eine Komödie von Shakespeare

Thomas Bernhards Dramolette „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“ minutenlang gefeiert.

von Werner Rosenberger

Selten macht Wiedersehen so viel Freude: „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“, die Dramoletten-Trilogie von Thomas Bernhard, ist längst ein Klassiker – jetzt (am 5. 11., 2. 12., 7. 1. und bis April einmal monatlich) mit Claus Peymann, Hermann Beil und Maria Happel (Erzählerin) im Theater in der Josefstadt zu Gast.

Ironische Selbstbeschau

Eitel, egomanisch, größenwahnsinnig und umwerfend komisch: Peymann spielt Peymann mit großer Lust, was der Meister der literarischen Schimpftirade dem Leiter des Burgtheaters von 1986 bis 1999 auf den Leib geschrieben hat: „Ein Schauspieldirektor ist immer ein Arschloch, dem nicht zu helfen ist.“

Schon Samuel Beckett, Literaturnobelpreisträger des Jahres 1969, schrieb in einem Gedicht: „Bis zum Äußersten gehen – dann wird Lachen entstehen.“ So ist auch bei den dramolettischen Komödienetüden die auf die Spitze getriebene Kunst der Überheblichkeit zu erleben, die sich selbst ins Lächerliche zieht.

Wenn Peymann über die Schauspieler herzieht: „Bis jetzt sind alle diese Burgtheaterschafe für ihr stumpfsinniges Blöken bezahlt worden. Den ganzen Tag, das ganze Jahr herumgelegen auf der Wiener Burgtheaterweide sind sie ...“

Oder wenn der 84-Jährige die Don-Quichoterien der Bühnenwelt aufs Korn nimmt, außerdem Wien als „eine Stadt, die eine Verleumdungs- und Diffamierungsmaschine ist“, und die ganze österreichische theatralische Irrenhauskulturnation. Dabei ist nicht das größte Theater in Österreich, sondern Österreich das große Theater. Und das große Theater ist „naturgemäß hassenswert“.

Keiner konnte Schimpfen so kunstvoll zum sprachartistischen Vergnügen steigern wie der literarische Grantler Bernhard. Alles ist Komödie. Allerdings manches in der Groteske der Wahrheit näher als man glaubt. Vielleicht entsprechen die absurden Behauptungen – aus einer speziellen Perspektive – ja durchaus realen Gegebenheiten.

„Der Kanzler: ein Dummkopf“

„Österreich ist die tollste Komödie, die mir bis jetzt untergekommen ist,“ heißt es da, und man gewinnt plötzlich den Eindruck, der 1989 verstorbene Übertreibungskünstler hat ohne Übertreibung den aktuellen Zustand im Land beschrieben.

„Österreich ist eine Komödie von Shakespeare, die man nicht inszenieren muss. Sie ist schon da.“

Als sich der Deutsche in einer Szene – gerade von Bochum in Wien angekommen – erklären lässt, wer wer ist in diesem Land: „Die Minister: alte Nazi ... Der Bundeskanzler: ein Dummkopf.“ Da gibt’s am Donnerstag plötzlich Szenenapplaus.

Große Wirkung haben die kleinen abgründigen Harmlosigkeiten. Was einst provozierte und Bernhard in den 1980er Jahren zum Hassobjekt der Nation gemacht hat, das provoziert heute amüsiertes Schmunzeln, verschämtes Kichern, wieherndes Lachen im Parkett.

Etwa wenn im dritten Mini-Drama Peymann und Beil unter einer Linde auf die Sulzwiese am Kahlenberg kalte Schnitzel essen und dabei selber lachen müssen, Peymann „den ganzen Shakespeare an einem Abend“ aufführen will, und dazu noch die Sonette – und Beil stets nur lakonisch antwortet: „Natürlich.“

Minutenlanger Schlussapplaus.

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