Umwerfend mit Komik, Narrenpossen und Hanswurstiaden: Zwei der fünf Clowns in „Time is Honey“

© /© Circus Roncalli GmbH 2014

Ein Statement gegen die Gier – und für die Lebenssüße
09/12/2014

Ein Statement gegen die Gier – und für die Lebenssüße

Time ist nicht Money, sondern Honey beim Circus Roncalli. Honigsüß. Mit Suchtpotenzial.

von Werner Rosenberger

Der Geruch von Popcorn und drolliges Kinderlachen, Kasperliaden und Akrobatik, Spieldosen-Zauber und fliegende Körper. Das alles und noch viel mehr ist der Circus Roncalli: "Time is Honey" (bis 5. 10.) hatte Donnerstag Premiere am Wiener Rathausplatz – eine Entschleunigungstherapie, die es auf Krankenschein geben sollte.

"Wer langsamer lebt, ist später damit fertig." Als wär’s ein Gruß aus Absurdistan stellt der Schweizer Herr Baldrian nach diesem Credo zuerst die Schnecke Botox vor und lässt dann seine Luftschlange Gisela ("schön, intelligent und sexy") sanft durch die Manege gleiten.

Der Spanier Sergi Buka zaubert virtuos mit Licht und Schatten auf einer runden Leinwand, während er mit dem Fahrrad im Zelt rotiert vor 1500 Zuschauern.

Impressionen aus "Time is Honey"

Clown-Quintett

Erwarte stets das Unerwartete beim Großaufgebot an Clowns, die ein Strohfeuer der Skurrilitäten entfachen und Schabernack treiben.

Es gibt einige neue Attraktionen seit der Premiere der fein austarierten Show in Köln vor dem Sommer: Sie hat Kraft, Witz und Poesie.

Das Trio Laruss greift das alte Zirkus-Genre der "Goldmenschen" wieder auf. Das Artisten-Duo Viro vollführt an seidenen Tüchern unter dem Chapiteau ein sinnliches Luft-Pas de deux.

Die Truppe Rokashkov zeigt Akrobatik am Reck. Atemberaubend auch die ehemalige Kunstturnerin Geraldine Philadelphia, die Reifen kreisen lässt, in immer neuen Posen jongliert und balanciert. Und die Frisur von Karl Trunks Ponys, den einzigen Tieren im Programm, erinnert entfernt an den Bubikopf von Mireille Mathieu.

Unter dem Namen Les Paul gestalten die drei Kinder von Zirkusdirektor Bernhard Paul – Vivian (24), Adrian (22) und Lilian (15) – mit ihrem Partner Jemile Martinez eine rasante Rollschuhakrobatiknummer.

Der absolute Höhepunkt ist freilich das "Entschleunigungsmikado" des New Yorkers Andreis Jacobs Rigolo: Der "Herr über die Schwerkraft" kreiert aus einer zarten Fasanenfeder und 13 Palmästen ein schwebend leichtes Gebilde. Ein Wunder der Balance.

Irgendwo erklingt stets eine melancholische Melodie, die an Fellini erinnert. Ein Kosmos, dessen Sinnlichkeit mehr reizt als nur unsere fünf Sinne, ist das Metier des Circus Roncalli. Der versteht sich seit fast 40 Jahren darauf, mit Kühnheiten zu verblüffen, mit Komik umzuwerfen, mit Eleganz und Anmut zu entzücken.

Alles sieht so leicht aus und ist doch Hochleistungsentertainment. Wie nonchalant aus dem Ärmel geschüttelt. "Time is Honey". Ein Statement "gegen die weit verbreitete Gier – und für das Schöne, das Poetische, die Lebenssüße", sagt Paul.

Also: Zeit ist Honig. Sie wird einem zumindest im Circus Roncalli versüßt. Ohne dass die Unterhaltung je zähflüssig würde. Im Gegenteil. Da wird im Vertrauen auf jede noch so verrückte Idee suggeriert: Die Fantasie, das Staunen und das Träumen sind alles. Und die pure Logik? Nichts.

KURIER-Wertung:

Link: www.roncalli.de

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