© EPA/Isabel Infantes

Kultur
06/20/2020

Christine Baranski will „nie eine frustrierte Oma spielen“

Die 68-jährige Schauspielerin über "The Good Fight", Trump, Polen und die ROMY.

Sie spielt seit elf Jahren das, was sie die Rolle ihres Lebens nennt: die linksliberale Anwältin Diane Lockhart, zuerst als wichtigste Nebenfigur in „The Good Wife“, und seit vier Jahren als Hauptcharakter der Spin-off-Serie „The Good Fight“ (Amazon Prime). Die 68-jährige Schauspielerin Christine Baranski gehört zur Handvoll von Frauen in Hollywood, die in ihren 60ern noch eine so starke Karriere haben. Sie arbeitet nonstop.

In den Serienpausen dreht sie Filme, darunter zuletzt etwa „Mamma mia“, Teil zwei. Die zweite Fortsetzung der Komödie „Bad Moms“ soll Anfang 2021 herauskommen.

KURIER: Mit welchem Klischee über das Altern in Hollywood wollen Sie am meisten aufräumen?

Christine Baranski: Dass Frauen ab 50 nur begrenzte Rollen spielen können. Ich war Mitte 50, als ich diese Rolle bekam. Von Anfang an habe ich darauf Wert gelegt, dass ich nicht als Stereotyp rüberkomme. Sie ist nicht die Großmutter, die altmodische Ansichten hat. Sie ist diese liberale, moderne Frau, hochintelligent, unglaublich professionell und gleichzeitig jemand, der seinen Job mit Leidenschaft ausübt. Eine elegante, stylische Feministin mit einem glücklichen Sexualleben. Ich will nie eine frustrierte Oma spielen.

Was hat Ihnen die Rolle persönlich gebracht?

Ich konnte durch sie meinen Zorn auf unser politisches und Rechtssystem, auf Trump und die Republikaner rauslassen. Und das auch noch auf kreative Weise!

Die vierte Staffel (ab 30.6. bei Sky, Anm.) beginnt mit einem interessanten Gedankenexperiment. Wie war es für Sie, als sie das Konzept für die neuen Folgen hörten?

Ich glaube, diese vierte Staffel ist meine Lieblingsstaffel. Wir sehen hier zum ersten Mal, wie Diane ihre Wut auf Trump hinter sich lässt. Sie hat in der vorigen Staffel gekämpft, ist der Widerstandsbewegung beigetreten und musste dafür bezahlen. Zu Beginn der neuen Saison ist sie im Koma und träumt, dass Hillary Clinton die Wahl gewonnen hat. Und die provokante Frage ist, hätte es die #MeToo-Bewegung gegeben, wenn eine Frau im Weißen Haus wäre? Wäre der Zorn, der die Misshandlung von Frauen durch mächtige Männer ans Tageslicht gebracht hat, so groß gewesen, wenn eine Frau an der Spitze des Staates stünde? Diese erste Folge der neuen Staffel war die beste, die ich in elf Jahren, in denen ich diese Rolle nun spiele, gedreht habe. Sie war clever, witzig und provokant.

Wie hat sich die Rolle verändert?

Diane lenkte ihre Wut nicht immer in die richtigen Bahnen, das lernt sie erst jetzt langsam. Die Serie heißt „The Good Fight“, weil sie eine Idealistin ist, die immer den guten Kampf führt, aber nicht immer auf die richtige Art. Jetzt bekommt sie all diese Pro-Bono-Fälle und erkennt, was wirklich hinter Macht steckt. Und wer die Macht ist. Dass gewisse Leute nicht auf Zeugenvorladungen reagieren, dass es solche gibt, die tatsächlich über dem Gesetz stehen, dass Richter korrupt sind.

Ist das ein Spiegel, der dem US-Rechtssystem mit dieser Serie vorgehalten wird?

Absolut. Wir sind ein Land, in dem mehr und mehr Menschen genug haben von Trump. Aber er hat seinen Charakter nie verheimlicht. Wer ermächtigt ihn Gesetze zu missachten? Wer sind die hinter ihm, die ihm das alles ermöglichen?

„The Good Fight“ war immer extrem aktuell, was die US-Politik betraf…

Ja! Erinnern Sie sich nur an den Piloten! Wir hatten den letzten Drehtag am Tag der Wahl 2016, wo wir uns sicher waren, dass Hillary gewinnen würde. Dann wurde verkündet, dass Trump der neue Präsident war. Unsere Köpfe explodierten. Die Autoren schrieben den Piloten um, wir drehten alles nochmal.

Bekommen Sie je Feedback von Republikanern?

Ich denke, die Rolle, die Gary Cole spielt – mein republikanischer Ehemann – ist ein Neutralisierungsfaktor. Ich mag, dass wir zusammen tanzen. Wäre es nicht großartig, wenn unser Land das auch schaffen würde? Vielleicht müssen wir das jetzt lernen, in dieser Krise…

Woher kommt die Liebe für Ihren Beruf?

Ich bin einem polnisch-amerikanischen Haushalt aufgewachsen. Meine Großeltern waren Schauspieler im polnischen Theater. Mein Vater schleppte mich immer zu den Ballettaufführungen. Das war eine Gesangs- und Tanztruppe namens Schlonz. Diese Aufführungen weckten in mir die Liebe zum Theater.

Sprechen Sie Polnisch?

Ja, wir sind zweisprachig aufgewachsen. Als ich in Wien vor Jahren die ROMY besuchte, fuhr ich nachher nach Polen auf der Suche nach der Geschichte meiner Vorfahren.

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