Kultur
13.04.2018

Christian Locker: Unnötiges Österreich

© Bild: Privat

Der Bundeskanzler ist schon geflüchtet: Satire übers Land und über einen Schriftsteller, der in die Zukunft schaut

Christian Locker hat seinen wahrscheinlich letzten Roman geschrieben. Er ist sehr krank. „Unnötiges Österreich“ ist eine Satire, surrealer denn je. Der Höhepunkt im Schaffen Lockers. Mit seinen Büchern beschritt er einen Weg, der  für „bodenständige“ Leser  versperrt ist.
 Aber wer sich auf die Fantasien des  Wieners einlässt, hat schon eine Parallelwelt mit Habsburgern besichtigt (im Roman „Den Galgenvogel abgeschossen“), und er hat Wien als Vorort von Bratislava erlebt („Wann endet die Gemütlichkeit?“).
 Seit in „Einfach jeder“ in Schwarzau im Gebirge willkürliche Todesurteile vollstreckt wurden, auch durch Löwen, hat Locker einen Stil entwickelt, der ihn  in die Nähe  Hermanovsky-Orlandos brachte.
Im neuen Buch gibt es Wien nicht mehr. Österreichs Versuch, sich der Welt zu öffnen, ging schief. Nationalstolz trieb auch den Bundeskanzler in die Flucht. Im Altersheim  würden die Bewohner gern von der Innenministerin, die sich hierher verirrt hat, wissen, was  geschieht.
So kann man „Unnötiges Österreich“ lesen. Zeitweise. Aber die Sache mit der Wahrheit ist kompliziert, und Christian Locker hatte nicht vor, alles zu vereinfachen.
Er hat  – gekonnt – ein Gebilde  geknüpft, in dem durch die Zeit gesprungen wird. Es wird deshalb zu Begegnungen mit sich selbst kommen, als Kind im Spital, als alter Mann vor dem Spiegel ...
Und es wird wohl so sein, dass Österreich noch  nicht ganz am Ende ist. Dass der Untergang  herbeigeschrieben wurde. Von einem Schriftsteller, der  in die Zukunft geschaut hat. Er ist Locker ähnlich. Dessen Autobiografie ist gut versteckt.
Es wird zwar weniger gesoffen als in früheren Romanen. Aber geraucht wird viel.  Christian Locker ist noch immer Kettenraucher. „Und Beisl-Fetischist. Ich kann gar nicht für ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie sein – egal, welche Regierung gerade regiert.“
Viele verschwinden, ohne hervorgebracht zu haben, was in ihnen steckte. Zu ihnen gehört Christian Locker bestimmt nicht.

 


Christian
Locker:

„Unnötiges
Österreich
Edition Rosner.
360 Seiten.
26,90 Euro.

KURIER-Wertung: ****