Kultur
05.08.2017

Charles Baudelaire bekam eine dralle Circe

Die Blumen des Bösen (1857): Neuübersetzung zum 150. Todestag

Es gibt 100 (teilweise) Übersetzungen von Baudelaires "Die Blumen des Bösen", und jetzt gibt es eine, in dem Verblendung, Sünde, Dummheit ... den Körper "kirr" machen.

Ihn aufwühlen.

Der Dichter redet in "Das schöne Schiff" nun auch nicht mehr "mein hold Entzücken" an. Sondern eine "dralle Circe".

Dem französischen Original entsprechend (= molle enchanteresse!) könnte es auch eine weiche Zauberhafte sein, eine willenlose Paradiesische oder so. Vielleicht nächstes Mal.

"Will malen deiner Schönheit Art", hieß es z.B. früher einmal; und jetzt: "Ich will dir malen deinen Reiz."

Anlass für die Neuübertragung ist Baudelaires 150. Todestag. Sie stammt vom Deutschen Simon Werle, der schon Racine und Molière übersetzte. Es wäre kein Fehler gewesen, diese lyrische Suche nach dem Dämonischen in uns mit Kommentaren zu begleiten. Sechs Gedichte waren in Frankreich als obszön verboten worden. Wegen der Küsse, erfrischend wie Melonen? Weil das Fleisch klirrt (nicht kirrt!) vor entfesseltem Begehren?


Charles Baudelaire:
„Les Fleurs du Mal – Die Blumen des Bösen“

Zweisprachig. Neu
übersetzt von
Simon Werle.
Rowohlt Verlag.
608 Seiten.
39,10 Euro.

KURIER-Wertung: ****