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Kultur
01/10/2022

Cat Power: Heilungsversuch per Coverversion

Die Sängerin meldet sich mit einem neuen Album voller fremder Lieder und einem besseren Verhältnis zu sich selbst zurück.

von Brigitte Schokarth

„Es liegt nur daran, dass ich meine Instrumente nicht spielen kann“, antwortet Cat Power, wenn Kritiker ihr sagen, dass sie mit ihren spartanischen Interpretationen von Songs anderer Komponisten, die Essenz dieser Lieder herausfiltern kann.

Das hat die 49-Jährige gerade wieder getan. „Covers“ heißt ihr neues Album, für das sie elf Songs von anderen Komponisten und einen ihrer eigenen interpretiert.

„Es ist nach wie vor so, dass ich sowohl auf der Gitarre als auch am Klavier nur sehr simple Sachen spielen kann“, sagt sie im Interview mit dem KURIER. „Deswegen sind meine Versionen sehr rudimentär. Ich habe auf diesem Album aber auch ein paar Songs, die traditioneller klingen, weil ich im Studio Freunde dabei hatte, die besser spielen.“

Hass zurückgenommen

Trotzdem drückt die als Charlyn Marschall geborene Amerikanerin dabei Liedern von Künstlern wie The Pogues, Billie Holiday, Lan Del Rey und Iggy Pop ihren ganz persönlichen Stempel auf. Die bemerkenswerteste Veränderung hat aber ihr eigener Songs durch gemacht. Im Original hieß er „Hate“, jetzt heißt er „Unhate“, und handelt von der Beziehung der Musikerin mit sich selbst.

„Es geht bei der Neuaufnahme tatsächlich darum, wie sich mein Bild von mir selbst in den letzten Jahren geändert hat“, bestätigt sie. „Ich hatte früher nie das Gefühl, es wert sein, leben zu dürfen. Aber ich habe mit der Zeit rausgefunden, was mich glücklich macht, und vor allem viel bessere Entscheidungen getroffen. Denn weil ich mich selbst gehasst habe, war ich früher extrem selbstdestruktiv. Und das sind falsche Entscheidungen.“

Zu betrunken

Damit spielt Cat Power auf die Phase an, als sie Shows nach drei Songs abbrechen musste, weil sie zu betrunken war. Aber auch der Rest ihrer Karriere ist gepflastert mit Dramen und Rückschlägen.

Arme Verhältnisse

Oma sprang ein

Sie wurde im Süden der USA in eine arme Familie hineingeboren. Ihr Vater war Musiker und Stepptänzer, sang Cover-Songs in Bars und Hotel-Lobbys, war aber, bis sie ein Kleinkind war, nicht in ihrem Leben. Sie wurde von der Großmutter aufgezogen. „Wir waren arm, und es war ein Umfeld, wo so viele Leute an Aids oder einer Heroin-Überdosis starben. Meine Großmutter hat mich zwar immer gefördert, hat mit mir gesungen und auf Kassetten aufgenommen, was ich gesungen habe. Aber darüber hinaus war es eine ungebildete, wenig respektvolle Umgebung. Und ich denke, dass meine Probleme mit dem Selbstwert daher kommen.“

Start bei Jazz

Die Karriere startete Cat Power in der Jazz-Szene mit experimenteller Musik und viel Improvisation – „einer musikalischen Ausdrucksform, wo alles erlaubt ist und das Einzige, was dich einschränken kann, deine Angst ist, fasche Töne zu spielen“.

Sucht und Krankheit

Angst hatte sie trotzdem. Jahrelang kämpfte sie mit Lampenfieber. Dann starb ihr bester Freund, sie kämpfte mit der Alkohol- und Tablettensucht, musste in den Entzug. 2012, als ihr Album „Sun“ in die Top 10 der Billboard-Charts einstieg (ihr bisher größter Erfolg), lag sie im Spital . Eine Krankheit des Immunsystems, die unkontrollierte Schwellungen im Gesicht und im Hals auslöst, hätte ihr damals beinahe das Leben gekostet. Und dann kam noch der „Verrat“ ihrer Plattenfirma: Nach dem Erfolg von „Sun“ verlangte das Label schnell ein weiteres Album von Cat Power. Sie nahm es auf, aber als es fertig war, war es der Plattenfirma zu wenig kommerziell.

Neue Weichen

Die Nahtoderfahrung bei der Immunerkrankung aber stellte die Weichen. Cat Power suchte sich ein neues Label, bekam einen Sohn, den sie alleine erzieht, und hat das Ziel, mit ihren eigenen Songs Mädchen Mut zu geben, die vielleicht wie sie Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl haben.

Hilfe dabei, ihr Leben in die richtige Bahn zu bringen, kam auch von den Songs, die sie für „Covers“ aufgenommen hat: „Eigentlich haben die mich schon fasziniert, als ich ein Teenager war. Und jetzt sind sie ein Teil von mir. Wenn ich mich alleine gefühlt habe, oder deprimiert war – wenn ich meine Lieblingssongs gehört habe, hatte ich auf einmal das Gefühl, dass mich doch jemand versteht.“

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