Amadeus-Gewinnerin Caro Fux: Durch Empathie ins Burn-out

Gerade mit dem Amadeus als „Songwriterin des Jahres“ für „Aff im Kopf“ geehrt, erzählt Caro Fux, welche Krise sie zur Musik brachte.
Junge Frau sitzt entspannt auf einem gelben Sessel, trägt weißes T-Shirt, schwarze Hose und weiße Sneaker.

„Seit vier Jahren war es mein großer Traum, beim Amadeus nur nominiert zu sein“, sagt Caro Fux über den Gewinn des Amadeus-Awards in der Kategorie „Songwriter des Jahres“ und erklärt im Gespräch mit dem KURIER: „Jetzt habe ich sogar einen gewonnen. Ich bin überglücklich. Und so dankbar – allen, die ,Aff im Kopf` so feiern.“

Der Hit entstand, nachdem die Steirerin ein Gespräch mit ihrer Oma hatte. „Ich liebe sie über alles, aber sie hat so viel erzählt von Leuten, die ich nicht kenne: Der ist krank und die hat ein neues Knie bekommen“, erinnert sich Fux. „Weil mich das aber alles nicht betrifft, hab ich irgendwann abgeschaltet und das Gefühl gehabt, da trommelt ein Affe in meinem Kopf. “

Das Gute im Menschen

Mit der Mischung auf kraftvollem Gitarren-Pop, und tanzbarem Beat hat sich die 32-Jährige jetzt endgültig etabliert. Und mit „Hund und Bam“ hat sie schon den nächsten Song am Start. Darin singt sie über die Höhen und Tiefen des Lebens und den ständigen Wechsel zwischen den beiden. „Man hat nicht immer Glück, man ist nicht immer der Hund. Dem kommt man nicht aus. Aber das kann sich sehr schnell wieder ändern.“

Prinzipiell, sagt Fux, sei sie ein positiver Mensch, der nur das Gute in Menschen sieht. „Ich kann mich gut in Leute reinversetzen und verteidige manchmal sogar Menschen, die Mist gebaut haben. Dann denke ich mir, was ging dem voran, dass sich der jetzt so benimmt.“

Culture Clashes

Diese Empathie wurde der auf einem Bauernhof am Rande von Mürzzuschlag aufgewachsenen Musikerin später zum Verhängnis. Sie hatte zwar mit fünf Jahren entdeckt, dass sie die Bühne liebt, als sie mit ihrer Gruppe der musikalischen Früherziehung im Kunsthaus Mürzzuschlag auftrat. Aber als Teenager war ihr das Reiten wichtiger. Sie wurde Bundesmeisterin in der Vielseitigkeit und danach Volksschullehrerin – ein Job, der sie innerhalb von sechs Jahren ins Burn-out trieb.

In der Zeit, als die Steiermark viele syrische Flüchtlinge aufnahm, unterrichtete Fux nämlich Deutsch als Zweitsprache: „Die Culture-Clashes haben mich schwer mitgenommen. Einmal hab ich mit einem Vater gesprochen, dessen Sohn schwierig war. Der Vater sagte: ,Sie müssen ihn schlagen.’ Ich: ,Nein!’ Er: ,Warum nicht?’ Ich: ,Das gibt es bei uns nicht.’ Daraufhin sagte er, ,Dann weiß ich auch nicht’, und ging. Da weißt du, der Bub wird zu Hause geschlagen, aber du bist machtlos, weil du keine Beweise hast.“

Von der Schule gab es keine Unterstützung. Nur den Flyer „So geht man mit traumatisierten Kindern um“, bekam Fux: „Das kann doch nicht die Lösung sein! Diese Kinder haben so schlimme Sachen gesehen, die brauchen einen Psychiater. Aber keine Chance.“

Dunkles Tal

Ein Jahr brauchte Fux, um sich nach der Kündigung zu erholen. In der Rekonvaleszenz begann sie, darüber zu schreiben, sang die Texte in der Dusche und entdeckte erneut die Liebe zur Musik.

„Im Burn-out war in diesem dunklen Tal wirklich nichts mehr an Sonne zu sehen. Ich hatte vorher keine Ahnung, wie schlecht es einem gehen kann. Deshalb weiß ich jetzt so genau, wie wichtig es ist, dass man tut, was man liebt, und was für ein Privileg es ist, dass ich Musik machen darf.“

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