„Man wird oft beschimpft“: Sängerin Nana Falkner spricht Klartext
Kaum hatte Nana Falkner im Herbst ihren Song „Blickkontakt“ ins Netz gestellt, regnete es böse Kommentare von Männern. Darin beschreibt die Sängerin, wie sie von einem Mann angegangen wird, der ihr Lächeln nach einem Blickkontakt als Einladung versteht, sie anzugrapschen. Leicht und ironisch trägt Falkner das vor.
So, dass das kritische Thema perfekt in ihr eben erschienenes Debüt-Album „Selbstgespräche“ passt. Die Wienerin wollte mit den oft nur mit Piano oder Ukulele aufgenommenen Liedern, in denen sie feministische Themen anspricht und vom Erwachsenwerden erzählt, bewusst gute Laune verbreiten. „Bisher waren meine Songs alle sehr schwer“, erklärt sie im KURIER-Interview. „Deswegen fand ich es interessant, dass ,Blickkontakt‘ solche Wellen geschlagen hat. Für mich war das nur ein kurzes Lustigmachen über Männer. Denn dieser Vorfall in der U-Bahn ist eine Lächerlichkeit im Vergleich zu dem, was mir davor passiert ist.“
Falkner thematisierte Auswirkungen eigener Traumata um sexuellen Missbrauch früher in viel düstereren Songs – speziell in dem berührenden „Don’t Say Anything“: „Das war der erste Song, in dem ich plakativ darüber geredet habe. Davor habe ich alles in Metaphern gepackt, dass man es nicht versteht. Aber dann dachte ich: Ich will nicht mehr das Opfer sein, ich gehe in Therapie, ich kann das nicht mehr ignorieren. Denn wenn man es mit derartigen Traumata zu tun hat, ist es oft so, dass man es zuerst nicht genau weiß. Der Körper spürt es, man hat Depressionen, weiß aber nicht wieso. Ich wollte aufhören, in Selbstmitleid zu baden, und lernen, mit diesen Erfahrungen meinen Weg zu gehen.“
Hass ignorieren
Es war wohl überlegt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Falkner wollte das Thema enttabuisieren und die vielen Frauen, die ihr erzählen, Ähnliches erlebt zu haben, bestätigen, dass der Schritt wichtig war. Den Hass, der ihr deshalb von manchen Männern entgegenschlägt, kann Falkner mittlerweile ignorieren. Manchmal postet sie auch auf Instagram kurze neue Songs, in denen sie die bösesten Kommentare aufzeigt und selbst kommentiert.
Eine dicke Haut, sagt die 27-Jährige, die als Fitnesstrainerin arbeitet, und die Aufnahmen für „Selbstgespräche“ mittels Crowdfunding finanziert hat, habe sie sich schon früher zugelegt. Nachdem sie in der Schule vor Publikum „Wer hat die Kokosnuss geklaut?“ singen durfte, war ihr klar: „Ich werde Sängerin!“ Sie lernte Klavier, trat als Teenager mit der Band ihres Bruders auf, machte eine Musicalausbildung, weil sie auch das Tanzen liebte. Sie spielte in „Blues Brothers“ und hätte nach der Schule beinahe eine Rolle in „Miss Saigon“ bekommen. Doch bei den Proben verletzte sie sich am Knie und konnte nicht weitermachen.
Falkner ging nach Basel und startete als Straßenmusikerin: „Dabei überwiegen zwar die schönen Momente, aber man wird oft auch beschimpft. Sie schreien, das klingt nicht gut, oder wer glaubst du, dass du bist. Manche klauen dir auch das Geld aus dem Hut. Und einmal, da war ich wieder in Wien und bei den U-Bahn-Stars, wurde ich sogar angespuckt.“
Mit Humor
Auch ihr Auftritt bei „The Voice Of Germany“ war nicht von Erfolg gekrönt. Falkner bekam einen Vierer-Buzzer, landete aber nur auf Platz 36. „Ich bekam in den Team-Battles mit ,My Happy Ending‘ von Avril Lavigne ein Lied, das mir viel zu hoch war. Das war eine schlechte Performance.“
Das Album „Selbstgespräche“ zeigt, dass sie Rückschläge mittlerweile mit Humor verarbeiten kann. Etwa wenn sie in „Toller Tag“ besingt, wie ein Tag im Patriarchat für sie ist, oder in „Offline“ das dort vorgegaukelte perfekte Leben persifliert: „Ich weiß, wie sehr einen das runterziehen kann, wenn man Depressionen hat. Wenn Leute zum Beispiel sagen, sie stehen um vier Uhr auf, um einen Marathon zu laufen, und behaupten, du kannst das auch, wenn du nur willst. Aber die verstehen psychische Störungen nicht. Da kann man nicht einfach aufstehen und laufen gehen. Deshalb ist es mir so wichtig, offen mit meinen Problemen umzugehen.“
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