Kultur
15.07.2018

Capital Bra: Triumph für den „Putin“ des deutschen Raps

Capital Bra wurde als Vladislav Balovatsky in Sibirien geboren und kam als Kind über die Ukraine nach Berlin

„Das ist Bombe – echt krass. Auf einmal rasten alle auf diesen Sound aus!“

Capital Bra spricht von seinem eigenen Sound. Denn damit bricht der Rapper zur Zeit Rekorde. Sein Song „Neymar“ wurde in der ersten Woche nach seiner Veröffentlichung 5,4 Millionen Mal gestreamt – 800.000 Mal mehr als der bisherige Rekordhalter. Außerdem eroberte der 23-Jährige gleich mit vier Songs aus dem neuen, vierten Album „ Berlin lebt“ Platz eins der offiziellen deutschen Charts, ist der erste Künstler unseres Nachbarlandes, dem das gelungen ist.

Den Erfolg hat sich der Fan von Eminem und 50 Cent mit harter Arbeit, aber auch mit Talent verdient. Stets schafft er es auf „Berlin lebt“, jedem Beat einen eigenen Charakter und dichte Atmosphäre zu geben.

Deftige Worte

Obwohl Capital Bra neuerdings auch davon rappt, dass nur weiterkommt, wer ein „Gutes Herz“ hat, handeln auch heute noch viele seiner Texte vom Klauen, vom Knast, von Gewalt – und das mit den deftigsten Worten, hörbarer Wut und brutaler Sprache.

Capital Bra begründet das mit dem Umfeld, in dem er aufwuchs: „Es gibt Rapper, deren Musik ein Film ist“, erklärte er dem Hip-Hop-Magazin Juice. „Aber ich bin, was ich erzähle. Wenn mich jemand provoziert und sagt: ,Hol mal deine Pistole, dann fahre ich nach Hause und hol’ dir meine Pistole.“

Die Authentizität in den Raps zeugt von einer schwierigen Kindheit. Geboren wurde Capital Bra am 23. November 1994 in Sibirien, wo es monatelang nur Suppe zu essen gab, weshalb seine Eltern mit ihm in die Ukraine zogen. Mit sieben Jahren kam er nach Berlin, lebte mit der Mutter im Stadtteil Hohenschönhausen, einem sozialen Brennpunkt. Dort rutschte er ins Drogen-Milieu ab, saß mehrmals im Jugendgefängnis und musste wegen Prügeleien häufig die Schule wechseln.

Vor allem sein Debüt-Album „Kuku Bra“ erzählt die Storys aus dieser Zeit, berichtet von Beamten, die die Hälfte des beschlagnahmten Kokains für sich behielten, von brutalen Polizeieinsätzen, unter denen vor allem seine Mutter litt. „Sie hatte schlaflose Nächte wegen mir, pausenlos, ohne Ende“, sagte Capital Bra dazu. „Weißt du, wie es ist, wenn die Polizei nach Hause kommt, und die schlagen dich vor meiner Mutter? Sie weint und die schlagen dich weiter. Mir tut’s weh – aber nicht so wie ihr. Die Leute fragen, warum so viel Hass in meiner Musik ist. Das ist, weil so etwas für immer im Kopf bleibt.“

Battle-König

So begann Capital Bra schon mit elf Jahren, die Wut und die Frustrationen in Raps zu kanalisieren. In der Berliner Szene wurde er durch das Internet-TV-Format „Rap am Mittwoch“, einer live gestreamten Battle-Rap-Casting-Show, bekannt.

Seinen ersten Charts-Erfolg hatte er 2015 mit dem Song „ Vladimir Putin“. Mit dem russischen Staatsoberhaupt kann er sich nämlich identifizieren: „Dieser Track ist mein Zeichen an die Rap-Szene, dass ich mir von niemandem etwas sagen lasse“, erzählte er in einem Interview mit Backspin. „Ich bin der Putin des Deutschraps!“