© Volkstheater

Kritik
09/19/2021

Calle Fuhrs „Heldenplätze“: Seelenstriptease im Haus der Begegnung

Uraufführung des Volkstheaters in den Bezirken: Gerti Drassl berührt mit einem 80-minütigen Monolog über das Verdrängen

von Thomas Trenkler

Calle Fuhr ist – im besten Sinn – ein Geschichtenerzähler und Menschenporträtist. Einer, der ganz genau weiß, wie er seine Zuhörerschaft packt, mag die Ausgangslage auch noch so unglaubwürdig sein. In „All das Ungesagte“ etwa besucht ein junger Mann seinen Vater, den er nie kennenlernen durfte, an dessen Grab – mit zwei Bierdosen in Händen.

Eine schonungslose Lebensbeichte legt auch Theresa im Monolog „Heldenplätze“ ab, der am Freitag als Produktion des Volkstheaters in den Bezirken seine Uraufführung erlebte. Eine passendere Spielstätte als das Brigittenauer Haus der Begegnung hätte Calle Fuhr – künstlerischer Leiter, Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion – für sein 80-minütiges Stück kaum finden können. Denn seine Heldin darf, im Rahmen einer Therapie oder Selbsthilfegruppe, ihre vertrackte Geschichte erzählen: Warum sie es nicht schaffte, mit dem Tod ihres Bruders, der als 17-Jähriger bei einem Autounfall ums Leben kam, fertig zu werden.

Calle Fuhr verwebt geschickt mehrere Stränge. Man merkt zwar in der Sekunde, dass es eine Bewandtnis haben muss, warum der Held dieser Resi der Odysseus ist. Es ist auch kein Zufall, dass deren Mutter an Alzheimer erkranken wird. Und ganz besonders konstruiert ist das Anhimmeln von Toni Sailer, der nur in den 50er- und 60er-Jahren eine heile Welt versprach.

Aber man lässt sich gerne auf den Seelenstriptease ein. Auch deshalb, weil Gerti Drassl ihn hinlegt. Sie ist, entsprechend ihrem Naturell, von Beginn an authentisch. Sie zeigt mit Overheadprojektoren Fotos und Dokumente aus der Vergangenheit, mitunter gleitet sie in Spielszenen ab; und mucksmäuschenstill wird es, wenn sie mit Tränen in den Augen zur Selbsterkenntnis gelangt. Berührend.

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