Kultur
05.10.2018

Buchkritik: Bernhard Aichners "Bösland"

Der neue Thriller des Tirolers hat ganze Sätze. Eine schwindelige Nacht mit Golfschläger ist möglich.

Ist das schön!  Bernhard Aichners Sätze machen nicht mehr tack-tack-tack,  in der Art: Ein Wort – ein Punkt. Tot. Tot. Tot.
Das Stakkato kam allerdings  in der Trilogie um die mordende Bestattungsunternehmerin Blum (Blum. Blum. Blum) bestens an:  400.000 Exemplare wurden bisher verkauft, Band drei „Totenrausch“ ist soeben als Taschenbuch erschienen.
Aber lange Sätze schafft der Innsbrucker auch in „Bösland“ kaum. Sie würden nicht passen. Aichner thrillert geschwind. Er ist der amerikanischste unter den österreichischen Spannungsautoren.

Drehungen

„Bösland“ ist  ein guter Kumpel für eine Nacht sozusagen. Kann sein, dass man am nächsten Morgen nur noch verschwommen sieht und nicht mehr weiß, wo denn der Golfschläger steckte, der eine große Rolle spielt.
Aber man wollte  sich wegen der vielen Drehungen, die der Roman macht, unverzüglich schwindelig lesen.
Mit „Bösland“ ist der Dachboden eines armseligen Bauernhofs gemeint. Dort hinauf hat der Vater seinen kleinen Sohn Ben oft befohlen, „Komm mit mir ins Bösland“, hat er gesagt, um ihn mit der Peitsche zu schlagen, einfach so, weil er unglücklich war. Die Mutter blieb ruhig: So ist der Vater halt.
Und dann hat   sich der Alte im „Bösland“ aufgehängt,. Darüber war der Bub sehr froh. Er hat mit seinem Freund  gefeiert.
Später, Ben war 13, ist auf dem Dachboden noch etwas geschehen: Ben hat seine beste, seine liebste  Freundin Matilda erschlagen, danach streichelte er sie und wusste nicht, warum sie tot ist.
Sieben Jahre war er in der Psychiatrie eingesperrt ... Jetzt ist Ben 43 und wagt es, sich mithilfe einer Psychiaterin zu erinnern.
Schau dir was an, das war gar nicht er, der Matilda in „Bösland“ ermordet hatte!
Aus. Punkt. Wurde eh schon zu viel verraten.  Reden wir über etwas anderes: Aichner sucht   „die originellsten Fragen“ an ihn, auf  Lesetour  (bisher geplant: 41 Stationen) wird er antworten.
Jemand will wissen, welchen Socken er zuerst anzieht; und daran sieht man, wie schwierig es ist,   originell zu sein. Bernhard Aichner hat’s mit „Bösland“ zusammengebracht.


Bernhard
Aichner:

„Bösland“
btb.
448 Seiten.
20,60 Euro.

KURIER-Wertung: ****