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Sargnagel am Oktoberfest: Wo Frohsinn dröhnt und Kotze sprüht

Neues Buch: Wie Stefanie Sargnagel das „Oktoberfest“ und die Bayreuther Festspiele erlebte.
46-227784865

Für die einen ist das Oktoberfest in München ein Vergnügen, für die anderen ist es eine Schrecklichkeit. Dazwischen gibt es nichts. Außer man erlebt das Oktoberfest durch die Augen und die Worte von Stefanie Sargnagel. Dann ist es eine vergnügliche Schrecklichkeit.

Vor einigen Jahren wurde sie vom Münchner Volkstheater beauftragt, einen Besuch auf dem berüchtigten Münchner Volksfest zu dokumentieren. Daraus entstand ein Theaterstück, das nur kurz auf der Bühne sein konnte, bis Corona alles stoppte. Nun ist die literarische Reportage in einem Bändchen – im Gespann mit einem Besuch bei den Bayreuther Festspielen – erschienen.

Buchcover „Oktoberfest“ von Stefanie Sargnagel mit Comicfigur auf der Wiesn und rohwolt-Logo.

Stefanie Sargnagel: „Oktoberfest“ Rowohlt.

96 Seiten. 19,95 Euro

Turboösterreicher

Trotz Warnungen, wie man sie sonst nur „bei Reisen in Länder mit eingeschränkten Frauenrechten kennt“, macht sich das Autorinnen-Ich also auf den Weg. Es passt ihr eh gerade, sie ist Mitte dreißig und hat bei der Partnerwahl die Ansprüche heruntergefahren: „Hauptsache, bindungsfähig und nicht gewalttätig.“ Sehr umstellen muss sie sich nicht, denn „die Bayern sind wie Turboösterreicher“ mit dem „zünftigen Charme reinrassiger Inzestgesichter auf fassförmigen Körpern“.

Hendlhauben und Ziegenschamhaar

Während der „Frohsinn dröhnt“ und das Bier hektoliterweise fließt, geht auch die Realitätswahrnehmung flöten. Zu Spinnen mutierte Bierzombies beißen Köpfe ab, die verlockende Hauben in Hendlform tragen. Bei einer Parade ist das Volk mit folkloristischem Tand behängt wie Quasten mit Murmeltieraugen oder Spitze aus geklöppeltem Ziegenschamhaar.

Am Ende dieses Hieronymus-Bosch-ähnlichen Schauspiels vom Kotzhügel weiß man wieder, wie schlimm ein Bierrausch ist. Eine Reportage aus Bayreuth von 2016, die als hochkultureller Gegenpol in dem Buch steht, fällt in ihrer fast braven Zielstrebigkeit gegen das ekstatische Chaos von „Oktoberfest“ etwas ab.

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