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Kultur Buch
08/14/2020

Neuer Roman: Ronald Reagan war ein Burgenländer

Wie ein Auswanderer aus Rechnitz „Der Präsident“ wurde: Neuer Roman von Clemens Berger

von Peter Pisa

Es wird geschätzt, dass 160.000 Burgenländer nach Amerika ausgewandert sind, um es dort besser zu haben, und einer von ihnen, Julius Koch, wurde sogar Präsident der USA (ab und zu).

Und es gibt eine Zeit, in der Österreich nicht will, dass jemand zu uns kommt, um es besser zu haben, und in dieser Zeit lebt der Schriftsteller Clemens Berger, geboren in Güssing, Burgenland.

Er recherchierte in den USA über die ausgewanderten Burgenländer – "allesamt Wirtschaftsflüchtlinge, wie man heute sagen würde, die noch dazu in ihren Parallelgesellschaften lebten."

Der Echte

Als er zurückflog, las er Zeitung – "die ‚Krone‘ titelte triumphierend, dass die Errichtung eines Asylheims im Südburgenland abgewehrt werden konnte."

Da habe er gewusst, "dass ich DIESEN Roman schreiben muss ..."

"Der Präsident".

Wahr ist: Julius Koch (geboren 1926) kam als Kind mit seinen Eltern, Bauern aus Rechnitz, nach Brooklyn. Dort wurde aus Julius ein Jay, Jay Koch. Er kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Marineoffizier gegen Deutschland, danach wurde er Polizist in New York.

Heimlich nahm seine Frau in seinem Namen an einem Doppelgängerwettbewerb teil, denn Jay sah, mit viel Brillantine, dem drittklassigen Schauspieler Ronald Reagan  ähnlich, der Präsident wurde.

Jay gewann und war nicht böse darüber, denn er wurde von einer Agentur unter Vertrag genommen und verdiente nun viel mehr.

Der Falsche

Das Ehepaar übersiedelte nach Kalifornien, Jay Koch (Foto oben) war Reagan bei Supermarkteröffnungen und dergleichen, und in den Hollywood-Filmen "Hot Shots ! Der zweite Versuch“ neben Charlie Sheen und „Zurück in die Zukunft 2" mit Michael J. Fox trat er ebenfalls auf.

"Ich hatte den größten Spaß meines Lebens."

Er starb 2007.

Was für eine tolle Geschichte ist das denn!!!

Clemens Berger geht vorsichtig mit dem gefundenen Schatz um. Man wird sich sehr rasch mit Jay Koch – der im Buch Jay Immer heißt – und seiner Frau über den neuen Luxus am Swimmingpool freuen. Man wird, wenn alles zu Ende geht, traurig sein. (Das Ende wird im Roman erst unter Donald Trump kommen.)

Berger dreht die Geschichte weiter: Irgendwann kommt der andere Reagan drauf, dass dem echten Reagan vor allem wichtig ist, ob er seine Rolle gut spielt, wie einst im Film.

Und er baute Mist. Etwa als er Waffen an die Contras liefern ließ, die Nicaragua terrorisierten. Und als er fürs Wettrüstung nie da gewesene Schulden machte, aber Mittel für amerikanische Sozialprojekte strich.

Jay Immer will nicht länger Clown sein. Er hält in Videoreden dagegen und kämpft für Gerechtigkeit. Für die noch junge Umweltbewegung wird er zum Aushängeschild, jetzt gibt er Autogramme mit richtigem Namen. Er ist länger "der Präsident" als der Präsident, der 1989 von George Bush senior abgelöst wurde.

Schriftsteller Clemens Berger, 41 ist er kürzlich geworden, kann über die Liebe schreiben, das hat er in "Ein Versprechen von Gegenwart" (2013) bewiesen.

Und er kann, wie in "Im Jahr des Panda" (2016), Zeitgeschichte mit ihren Katastrophen und Lächerlichkeiten lebendig machen. Das gelingt ihm im aktuellen Buch ebenfalls – Stellen, die klebrig sein könnten, weicht der Autor gut aus.

Julius Koch bzw. Jay Immer war ein Polizist, der einen Schauspieler spielte, der einen Präsidenten spielte; und Clemens Berger spielt mit den Lesern. Er gewinnt das Spiel, und er gewinnt an Sympathie.

Beide Burgenländer gewinnen an Sympathie.

Clemens Berger:
"Der Präsident"
Residenz Verlag.
320 Seiten.
24 Euro

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern

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