Romane von Rebecca Yarros: Männer, heiß wie Drachenfeuer
Rebecca Yarros kann sich entspannen, ihre Bücher verkaufen sich millionenfach.
Hier ist schon auf den ersten Seiten klar, dass es irgendwann zur Sache gehen wird. Denn bereits als Izzy Nate in „In the likely event“ zum ersten Mal sieht, beschreibt sie ihn als „heiß. Und ich meine richtig heiß, so heiß, dass er eigentlich den Feueralarm auslösen sollte.“ Doch nicht genug der Wortbrände. Kurz danach blamiert sie sich vor ihm und ihr Gesicht steht „in Flammen, was vermutlich bedeutete, dass es mindestens zehn verschiedene Rottöne angenommen hat“. Die US-Autorin Rebecca Yarros liebt das Erklären des Offensichtlichen in unterschiedlichen Eleganzabstufungen.
Es ist auch nicht ihr kunstfertiger Umgang mit Sprache, der Yarros zu einer der erfolgreichsten Autorinnen der Gegenwart macht. So wie es nicht ihr erbarmungsloses Aufbrechen von Stereotypen ist oder das knallharte Aufzeigen von gesellschaftlichen Missständen. Zur Bestsellerautorin – zu großen Teilen von Booktoks Gnaden – hat sie eine Romanreihe gemacht, die von Spöttern gerne als „Drachensex-Literatur“ bezeichnet wird.
Drachen sind jetzt cool
Allein in den USA hat sie in der ersten Woche nach dem Erscheinen des jüngsten Teils 2,7 Millionen Exemplare davon verkauft – ein Rekord. Die wahnsinnig langen Bücher spielen in einem Fantasie-Mittelalter, die erzählende Sprache von Hauptfigur Violet kontrastiert das Archaische, sie verwendet Wörter wie „krass“ und „am Arsch“. „Flammengeküsst“ (ja, die Glut erlischt einfach nie) heißt der erste der bisher drei Teile, darin geht es um die Tochter einer Generalin, die viel lieber bei den Büchern in der Bibliothek geblieben wäre, aber qua Mutterbefehl zur Drachenreiterin werden muss, um ihr Land zu verteidigen. Sie ist außerdem verliebt in einen Reiter, der ihr zum Verhängnis werden könnte und der – wir ahnen es – heiß ist.
Drachen haben spätestens seit der Serie „Game of Thrones“ einen ganz neuen Stellenwert in der Popkultur – und der ist recht weit weg von Grisu. Der knuffige „Ich werde Feuerwehrmann“-Pazifist hätte sich eher wenig für das neue Genre der Romantasy geeignet. Wo „Romance“, also Liebesgeschichte, auf Fantasy trifft – und alle, die mit Harry Potter oder den Vampiren von „Bis(s) zum Morgengrauen“ sozialisiert wurden, beherzt zugreifen. Zumal diese Romantasy nicht vor expliziten Sexszenen zurückschreckt – immer aus weiblicher Perspektive, immer mit vorher erfragter Zustimmung. Gut, dass es den „Bad Sex in Fiction Award“ nicht mehr gibt, er würde wohl langweilig werden, weil er ohnehin jedes Mal an diese dampfenden belletristischen Biotope gehen würde.
Unwahrscheinlichkeiten
Vor kurzem ist nun ein Roman von Yarros auf Deutsch erschienen, der im selben Jahr wie „Flammengeküsst“ herausgekommen ist – und ohne dessen Erfolg wohl wenig Zuspruch gefunden hätte. Der Titel „In the likely event“ („Im wahrscheinlichen Fall“) spielt mit den Unwahrscheinlichkeiten, die das Gerüst dieses Romans sind. Die Liebesgeschichte von Izzy und Nate beginnt nämlich in einem Flugzeug – das abstürzt. Weil Nate Soldat ist, und er Izzys Lebensplan nicht beeinflussen will, sehen sie sich immer nur selten, dafür intensiv (immerhin verströmt Nate einen „Komm-und-schlaf-mit-mir-Duft“, der riecht übrigens nach Erde und Pfefferminz). Natürlich verstehen sie das Ausmaß ihrer erschütternden Liebe zu spät. Aber es gibt noch ein weiteres extrem unwahrscheinliches Zusammentreffen: in Afghanistan, am Vorabend der Machtübernahme der Taliban 2021.
Das kleine Glück da unten
Dieser Roman kann Menschen gefallen, die sich damit abgefunden haben, das Getöse der realen Welt zum Nebengeräusch herunterzufahren und sich in die Verheißung von Glück für Herz und Klitoris flüchten. Das sind wahrscheinlich nicht so wenige.
Der Codename, den sich Nate gegeben hat, lautet übrigens wie der des Landes in „Flammengeküsst“ Navarre. Hier verrät Yarros, dass er aus dem Buch „Der Tag des Falken“ stammt. Diese Fabel um zwei Liebende, die dazu verdammt sind, nie gleichzeitig Mensch zu sein, sondern jeweils Falke und Wolf, wurde in den 1980ern durchaus „romantastisch“ mit Michelle Pfeiffer und Rutger Hauer verfilmt.
Aber: Keine Drachen weit und breit.
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