Bestsellerautorin Abby Jimenez: Liebe macht eventuell nicht nur blind

In ihrem Roman "The Night We Met" erspart Autorin Abby Jimenez den Lesenden jede Herausforderung.
Autorin Abby Jimenez.

Am Schluss von „The Night We Met“ ist man sich sicher: Wenn die US-Bestsellerautorin Abby Jimenez sich jemals auf die Westautobahn verirrte, würde sie in St. Pölten anfangen zu blinken, um dann bei Auhof in Wien abzufahren.

Sie signalisiert nämlich alles, alles!, was in dieser Liebesstory am Schluss hochdramatisch aufgelöst wird, viele, viele Seiten vorher derart offensichtlich, dass man sicher sein kann: Man versäumt nichts.

Der Lösung Rätsel

Man weiß ja, dass die Menschen beim Fernschauen am Handy daddeln – und daher die Streamingserien darauf setzen, alles inhaltlich Wichtige mehrfach zu zeigen. So sollen es die Nicht-Zusehenden zumindest einmal mitbekommen, wenn sie es wegen dringender Handyherausforderungen andernfalls versäumten.

Man ist aber nicht sicher, woher die Notwendigkeit kommt, Ähnliches bei Büchern zu tun. Aber es ist so: Man bekommt hier alles mehrfach vorgesetzt und auserklärt. Als ob man zuerst die Lösung und dann das Rätsel bekommt.

226 Seiten, wir wiederholen es, falls Sie es versäumt haben, jedenfalls: 226 eBook-Seiten braucht Chris, um draufzukommen, dass er in Larissa verliebt ist.

MAN HÄTTE ES AHNEN KÖNNEN.

Sorry. Noch mal, weniger aufgeregt: Man hätte es auch davor schon ahnen können. Es blinkte brutal! Chris war, als ihm noch nicht klar war, dass er sie liebte, nämlich um drei in der Früh aufgestanden, um das Auto von Larissa heimlich freizuschaufeln. Sie haben gemeinsam (!) einen Hund adoptiert. Die beiden lieben das gleiche Buch!

Ja, es ist eine komplizierte, kalte Welt, in der Vereinfachung wohlige Erleichterung verschafft. Das ist Teil des Erfolgsrezepts dieses Genres.

Aber eigentlich sollte sich, denkt man beim Abfahren von der Lektüreautobahn – ohne zu blinken! – , die Welt ändern und nicht die Literatur.

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