Memories of Heidelberg oder Morgens im feuchtgrauen Deutschland
Isolde und Bertram, Isi und Berti, 17 Jahre verheiratet. Sie verdrießlich reserviert, er unbeholfen und dick. Mehr Zärtlichkeit als ihre Kosenamen bringt dieses freudlose Paar nicht füreinander auf. Bertram lebt seine Gefühle beim Essen aus. Auch auf der Reise von Oldenburg nach Heidelberg zum 80er der Schwiegermutter. Eine Woche im Boutique-Hotel Kurpfalz, abends essen sie auf einem Schiff, wo sie schlecht behandelt werden, aber immer wieder kommen.
Man solle mit dem Klopapier haushalten, steht auf der WC-Tür. Wichtiger Hinweis, wird sich herausstellen. Dem irrwitzigen Ende gehen sieben Tage illusionsloses Eheleben im feucht-grauen Deutschland voran. Einzige Höhepunkte: groteske Fressorgien. Sollte es so etwas wie Rosarote-Brillen-Blicke auf die Welt geben, Heinz Strunk hat sie nicht. Grotesk, komisch, bizarr ist seine Geschichte. Böse ist er nie. Strunk blickt trotz allem liebevoll auf seine Protagonisten. Traurige, trostbedürftige Bertis gibt’s schließlich viele.
Heinz Strunk:
„Memories
of Heidelberg“
Rowohlt.
176 Seiten.
24,95 Euro