Jede(r) steht in irgendeinem Buch

Jede(r) steht in irgendeinem Buch
Urlaubslektüre aus Österreich. Gute Gründe für Pizzaboten, Staatsfeind, Häuslratz ...

Vom Suhrkamp Verlag stammt, ganz aktuell, das Buch „Warum lesen? Mindestens 24 Gründe“ (22,70 Euro), und gleich am Anfang antwortet der Grazer Clemens J. Setz in seinem Essay:

„Wir alle stehen in irgendeinem Buch.“ (Und das muss man doch wohl kennen, oder?) Jerry z. B. ist ... viele.

27 ist sie, ihr Freund hat sie verlassen wegen einer „schlanken Blonden mit riesigen Silikonbrüsten und prallem Hinterteil“. Jerry ist eher das Gegenteil.

Die als Sachbuchautorin bekannte Gabriele Hasmann zeigt in „101 Gedanken an Tom“ (Luzifer Verlag, 14,40 Euro) frisch und frech, dass es weitergeht, sogar mit einem feschen italienischen Pizzaboten, der ins Haus rauscht. In diesem Fall ist Jerry vermutlich ... nicht gar so viele.

Wir alle stehen in irgendeinem Buch: Machen wir weiter mit einer Mischung österreichischer Bücher für den Sommer. Ein neuer Verlag, die Edition Himmel, und das literarische Debüt der Tiroler Schauspielerin Eva Maria Gintsberg haben eine feinmaschige Kombination ergeben:

Auch „Die Reise“ (16 Euro) könnte man persönlich nehmen. Der Vater ist tot, man weiß so wenig über ihn – die entdeckte Fotografie einer unbekannten Frau irritiert die Tochter. Sie steigt in die Eisenbahn, um den – hoffentlich – noch lebenden Freund des Vaters zu suchen, der vielleicht eine Erklärung hat. Sie wird ganz anderes finden.

Ohne 100-Jährigen

Warum lesen? Im Suhrkamp-Buch findet man ebenso den guten Grund: Lesen, um die Welt zu lesen.

Eine Welt aus Geld und Hochstapelei: „Für immer die Alpen“ (Luchterhand Verlag, 22,70 Euro) vom Vorarlberger Benjamin Quaderer wurde im Frühjahr international sehr gelobt. Liechtensteins Staatsfeind Nummer 1 erzählt, warum er Bankdaten von Steuersündern gestohlen und an die Polizei verkauft hat. Quaderer feiert die Fantasie, hintergründiger als Jonas Jonassons Hundertjähriger, der aus dem Fenster klettert. Und sprachlich raffinierter. Und sogar ohne Hundertjährigen.

Oder eine Welt, in der zwei „Schwarze Schafe“ (Edition Atelier, 18 Euro) auf der Wiese Bertha und Suttner heißen und auch sonst noch allerhand Außenseiter eine Wohngemeinschaft gründen.

Mit Fremden

Die steirische Sozialarbeiterin Teresa Kirchengast hat darüber ihren ersten Roman geschrieben und eine Talentprobe abgeliefert, die viele Stückln spielt.

Eine ruppige Alte, die ein Haus am Stadtrand beschlagnahmt, einfach so, ein Baby, das nicht zu schreien aufhört, seine überforderte 17-jährige Mutter, ein entlassener Häftling ... alle fremd zueinander, alle werden Freunde, samt Leser.

Und die Welt um 1920 in Wien: „Das schwarze Band“ (Limes Verlag, 20,60 Euro) ist der vierte Einsatz von Kriminalkommissar August Emmerich. Er riecht nach Armut, denn er hat kein Geld für teuren Zwirn, er braucht es für die Kinder seiner ermordeten Lebensgefährtin. Seine Feinde sagen, er sei zäh wie ein sibirischer Häuslratz.

Alex Beer (= die Bregenzerin Daniela Larcher) tüftelt immer bessere Krimis aus, ein Verbrecher sagt den bekannten Satz: „Ihr werdet euch noch wundern, was alles möglich ist.“ Der Bundeskanzler soll in die Luft gesprengt werden.

Warum lesen? (Seite 137 im Essay des Oberösterreichers Thomas Köck, noch ein Grund:) In der Lektüre „gehen wir uns einander nicht auf den Keks“.

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Für August-Urlauber (oder statt August-Urlaub):

Robert Seethaler über Gustav Mahler („Der letzte Satz“, 4. 8.), Clemens Berger über Ronald Reagans Doppelgänger („Der Präsident“, 10. 8.); Heinrich Steinfest über einen Mann, dem Ordnung sehr wichtig ist, im Lebenschaos („Der Chauffeur“, 31. 8.)

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