Ewald Arenz' Roman „Fünf Sechs Sieben Acht“: Wie das Leben den Takt vorgibt
Ewald Arenz schrieb über einen Stepptänzer.
Anton ist 60 und seit Jahrzehnten gut in dem, was er tut. Als Stepptänzer und Choreograf hat er sich einen Namen gemacht. Doch dann teilt ihm die neue Theaterdirektorin in einem kurzen Gespräch mit, dass sie nicht mehr mit ihm plant. Die Nachfolgerin, die sie gewählt hat, ist ausgerechnet seine eigene Tochter Emma. Das trifft ihn gewaltig. Er, der die große Bühne kennt, muss in diesem Moment feststellen, dass die Scheinwerfer jetzt woanders hin leuchten.
Ewald Arenz: „Fünf Sechs Sieben Acht“. Dumont. 240 Seiten. 26,95 Euro.
Keine Midlife-Crisis
Es ist keine Midlife-Crisis im klassischen Sinn. Anton hadert nicht nur mit dem Alter, sondern er blickt auf sein Leben zurück und denkt daran, was er alles verpasst hat. Vor mehr als 30 Jahren verschwand seine große Liebe, Jo. Seine Tochter Emma spürt die alte Liebe im Internet auf und Vater und Tochter reisen nach Irland, Jo ist inzwischen Lehrerin. Auf der gemeinsamen Reise brechen schnell alte Wunden und Konflikte zwischen den beiden auf. Anton hat als Vater immer funktioniert. Aber war das, was er für Hingabe hielt, nicht nur Ablenkung – von Jo, vom ungelebten anderen Leben?
Ewald Arenz erzählt in diesem Roman von einem 60-Jährigen, der innehält und sich fragt, ob das Leben, das er führt, das ist, was er führen wollte. Er läuft seinem Schatten hinterher, im Rhythmus fünf, sechs, sieben, acht.
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