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Literatur

Erwin Riess und die Nebensachen in "Herr Groll und die Wölfe von Salzburg"

Es geht um alles ... und um den Steg für Marko Feingold und die Straßen für die Nazis

von Peter Pisa

10/23/2021, 06:00 AM

Herr Groll, nach sieben Romanen weiß man es, kennt sich aus bei Flüssen.

Neulich sitzt er mit Josef, seinem Rollstuhl, bei den Obauers in Werfen und entdeckt auf der Speisekarte sibirischen Kaviar. Das ist ihm zu wenig Information: Zwischen Lena, Ob, Irtysch und Jenissei ist der Qualitätsunterschied groß. Zusätzlich interessiert ihn, ob der Stör im Mittel- oder Unterlauf schwimmt. Unterlauf ist besser. Im Mittellauf ist der Fisch so „verschlossen im Anbiss“.

Herr Groll wird ein Schnitzel bestellen.

Viele Umwege

Das ist eine (scheinbare) Nebensächlichkeit in „Herr Groll und die Wölfe von Salzburg“.

Hauptsache ist (scheinbar), dass Wolfsrudel während der Festspielzeit einfallen. Sie reagieren auf Uniformen, den römischen Priester, der gerade ein Dirndl anprobiert, haben sie zerfleischt.

Auch gibt es Entführungsopfer und Puppen mit Sakko, aber ohne Kopf, die in Salzburg verteilt wurden.

Aber das ist es nicht, weswegen man diese Bücher so mag. Mit dem gelähmten Herrn Groll, seinem Josef und dem Freund mit reicher Mutter, genannt „der Dozent“, will man über ganz viele Umwege irgendwohin.

Diesmal führt der Weg über Oskar Werner, Schubert, Senta Berger, Mozart, George Soros ... Und gibt es kein Ziel, no, das macht gar nichts.

Zuletzt der Band sieben, der fiel aus der Reihe. Hintergrund war: Behindertenheime in Ungarn bekamen von der EU Fördergeld, weil niemand kontrollierte, dass die Bewohner in Käfigen gehalten wurden. Das war untypisch für Erwin Riess, weil sehr, sehr ernst.

Kein Orgasmus

Normalerweise erlaubt sich der Wiener, Herrn Grolls Alter Ego, zwischendurch z.B. eine launige Abhandlung darüber, wodurch sich die Sexualität einer jüdisch-polnisch-manichäischen Spätantike-Forscherin auszeichnet.

Richtig: Sex findet sie super, aber es darf keinen Orgasmus geben.

„Die Wölfe von Salzburg“ schließen lächelnd an. Wobei der Roman am besten ist, wenn man sich beim Lesen unwohl fühlt. Etwa wenn Riess einbaut, dass in dessen Heimat Salzburg ein Steg nach dem 2019 verstorbenen KZ-Überlebenden und Mahner Marko Feingold benannt wurde. Ein Steg!

NSDAP-Mitglieder haben Straßen bekommen.

 

Erwin Riess:
„Herr Groll und die Wölfe von Salzburg“
Otto Müller
Verlag.
212 Seiten.
22 Euro

KURIER-Wertung: ****

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