© Max Zerrahn/Suhrkamp

Literatur
10/30/2020

Erfundene Sprachen: Heute ist zädel, und dann kommt der sudel

Höchstwertung für den Grazer Clemens J. Setz und "Die Bienen und das Unsichtbare"

von Peter Pisa

Heute ist zädel, dann kommt der sudel – den mudel, also Montag, den braucht man weniger.

So geht Volapük. Konstruiert 1879 von einem Pfarrer, damit sich die Welt in einer Sprache verständigen kann.

Ein „Schlaganfall“ ist „breiniflop“. Klingt noch netter als das Wienerische „Schlagerl“. Nur die andere Weltsprache Esperanto hat noch mehr Humor: „la dikfingro“ ist der Daumen.

Shex’pir

Das neue Buch des Grazer Schriftsteller Clemens J. Setz (Bild oben) ist nur fast ein Roman.

Ein Erlebnisbericht ist es, ich und sogenannte Plansprachen wie – abgesehen von den oben genannten – Prashad, Ithkuil, Klingonisch (aus dem Star-Trek-Universum), Blissymbolics, High Valyrian (Game of Thrones) ...

Ein Erlebnis ist das. Ein Springbrunnen aus Wörtern.

Mehr, bitte mehr! Die 400 Seiten vergehen zu schnell.

Setz lernt Volapük.

Setz absolviert einen Klingonisch-Kurs und müht sich beim Lesen von Klingon Hamlet eines gewissen Wil’yam Shex’pir ab.

Setz porträtiert Spracherfinder und Dichter wie Alexandr Logwin, der seine Esperanto-Gedichte, unter Stalin verboten, 25 Jahre in den Bienenstöcken seines Vaters versteckt hielt.

Er übersetzt viel und erlaubt sich die These, es sind Menschen in einer Krise, die den Neustart der Sprache wollten und auf einen Neustart der Wirklichkeit hofften.

Der Gebärden-Dolmetsch, der bei einer Trauerfeier für Nelson Mandela zwei Stunden auf der Bühne artikulierte, ohne dass es Sinn ergab: Wie soll man von solchen Geschichten je genug kriegen?

ghubra

Es sind nicht die Auszeichnungen, die Setz zum idealen Sprach- und Luftschlossführer machen (13 bisher, darunter für „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes “ der Preis der Leipziger Buchmesse) – es ist sein Hang zu ... Zwirn.

Im Buch „Bot“ kam dem Autor manches im Leben „zwirn“ vor, in „Der Trost runder Dinge“ zeigte er seinen Pass ... und seinen Zwirn. (Schlegel sagte, uns würde bange werden, wenn die ganze Welt verständlich ist.)

Es gibt in „Die Bienen und das Unsichtbare“ eine Stelle, die auf ein neu erfundenes Lieblingswort hindeutet – für den Geruch des eigenen Bauchnabels.

ghubra.

Ja. Stimmt.

 

Clemens J. Setz:
„Die Bienen und das
Unsichtbare“
Suhrkamp Verlag.
 416 Seiten.
24,70 Euro

KURIER-Wertung: *****

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