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Neuer Ukraine-Roman: Invasion und Schneckensex

Katalogbräute, die den Aufstand proben und eine Kühlschrank voller Weichtiere: Maria Revas Roman „Ein Königreich für eine Schnecke“.
Eine Frau mit braunen Locken trägt ein hellgrünes Kleid und sitzt vor einem Fenster mit Blick auf ein Backsteingebäude.

Jewa ist etwas speziell. Die junge Ukrainerin hat eine ganz besondere Leidenschaft und das sind Weichtiere. Jewa fährt mit ihrem zu einem mobilen Labor umgebauten Wohnmobil durchs Land und sammelt bedrohte Schneckenarten. Davon gibt es viele, und man wird in Maria Revas Roman „Ein Königreich für eine Schnecke“ erst mal echt erstaunt sein, wieviele Schneckenarten es überhaupt gibt.

Um sich diese Mission leisten zu können, hat sich Jewa für sogenannte „Liebestouren“ engagieren lassen. Das sind Veranstaltungen einer Heiratsagentur, bei der ukrainische Katalogbräute Junggesellen aus dem Ausland daten. Dort trifft Jewa die zwei Schwestern Nastja und Sol.

Das Buchcover von Maria Reva zeigt den Titel „Ein Königreich für eine Schnecke“ über einer weiten Landschaft mit einer schneckenförmigen Wolke.

Maria Reva: „Ein Königreich für eine Schnecke“. dtv. 480 Seiten. 27,95 Euro

Nachhall von Femen

Nastja hat auch etwas vor. Ihre Mutter ist die Anführerin der feministischen Aktivistengruppe Komod, die an Femen erinnert – nicht nur in jenem Rückblick, der das berühmte Foto des nackten Frauenrückens und dem im Hintergrund grinsenden Putin in Erinnerung ruft. Ihre Mutter hat die Töchter vor einiger Zeit verlassen. Nastja hofft nun, mit einer Aktion im Rahmen der Brautschauen die Aufmerksamkeit ihrer Mutter zu erregen, damit die sich nach Jahren bei ihr meldet. Dafür braucht sie Jewa – beziehungsweise ihr Wohnmobil.

Die absurde Geschichte nimmt noch eine Wendung, die man bizarr nennen könnte, wäre sie nicht bittere Realität. Denn der Roman spielt zu einem Gutteil am 24. Februar 2022 – dem Tag der Invasion Russlands in die Ukraine.

Für Booker Prize nominiert

Revas für den Booker Prize 2025 nominierter Roman bricht die wilde Geschichte manchmal mit einer Werkstattsituation der (fiktiven) Autorin und macht so den herzzerreißenden Grund der Erzählung klar: Ihr Großvater will nicht seine Wohnung im schwer umkämpften Cherson verlassen und sich zu ihr nach Kanada evakuieren lassen. Ein abgedrehtes, erschütterndes, humorvolles Buch – inklusive Schneckensex.

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