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Literatur
02/29/2020

Der erste Roman: Eine komische Oper, mit Spott inszeniert

Debüt der Salzburgerin Helena Adler: Ein Haus- und Hofpanorama mit dem Titel "Die Infantin trägt den Scheitel links".

von Peter Pisa

Was bist denn du für ein Buch? Was bist denn du für ein Mädchen, das – als „unsere“ Erzählerin – die Hauptrolle spielt?

Das Mädchen möchte statt am Klavier zu üben die schwarzen und weißen Tasten zu einem Zebrastreifen für Mäuse machen.

Es möchte von der Tarantel gestochen und von Blaubart entführt werden.

Es möchte seinen Namen auf Infantin ändern und eine Königliche Hoheit sein; die Schwestern aber sollen Wolpertinger heißen wie die weltfremden Mischwesen, z.B. aus Ente und Hirsch.

Der Urgroßvater ist der Einzige, der die Flausen der anfangs Sechsjährigen, die gleich einmal den Stall abfackelt, behandelt wie Perlen.

Die älteren Geschwister neigen eher dazu, ihr mit einer Spritze zu drohen: Man werde sie einschläfern, sagen sie.

Kein Dankeschön

Was bist denn du für ein Buch? „Die Infantin trägt den Scheitel links“ ist das Debüt der Salzburgerin Helena Adler (1983 in Oberndorf geboren, Foto oben) – ihr richtiger Name ähnelt jenem einer bereits bekannten Autorin, deshalb Adler. An den riesigen Ohrringen wird man sie sowieso erkennen.

Es könnte sich bei dem Roman um ein ungewöhnliches Dankeschön an die Verwandtschaft handeln. Ein Kind wird erwachsen, die Familie wird von ihm mit Spott, Fantasie und Witz sekkiert, sogar beleidigt – aber sie wird immer geliebt, wie man vom Leben gezeichnete Menschen liebt (hoffentlich tut man das).

Es könnte auch der Abschied von der Heimat sein, vom elterlichen Bauernhof, der gemeinsam mit der Jugend verloren ging.

Irgendwo steht: „Das war mein Jerusalem.“

Helena Adler widerspricht im Geplauder mit dem KURIER: „Ich glaube, es ist weder Dankeschön noch Abschied. Keine Biografie. Vielleicht ein Streicheln von Wolpertingern? Ein Haus- und Hofpanorama. Sowas noch am ehesten.“

Na gut. Jedenfalls wird man Zeuge der Inszenierung einer komischen Oper zum Thema Erwachsenwerden. Es singen die Buchstaben (und die Wolpertinger): Urgroßeltern sind „Zuckerln in buntem Stanniolpapier mit weißen Fransen“, Biobauern waren damals in den 1980ern „Eunuchen der Landwirtschaft“...

Die Gefahr der Überinszenierung ist manchmal bedrohlich spürbar. Es muss nicht jede Formulierung im Museum ausgestellt werden wollen.

Man verzeiht aber gern, solange sich nur im Buch die ausgeleierten Unterhosen auf der Wäscheleine langweilen.

 

Helena Adler:
„Die Infantin trägt den Scheitel links“
Verlag Jung und Jung
176 Seiten
20 Euro

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern

 

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