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Carys Davies' Roman "Das Pfarrhaus": Das große Schweigen

„Das Pfarrhaus“, der neue Roman der Waliserin Carys Davies.
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Katharina Mark

Carys Davies’ Roman „Das Pfarrhaus“, von der Sunday Times als Roman des Jahres ausgezeichnet, kommt in der Übersetzung von Eva Bonné, die bereits den Vorgänger „Ein klarer Tag“ übersetzt hat, ins Deutsche. Davies schreibt knapp, lakonisch, mit verstecktem Humor und einer Dichte, die man bei rund 300 Seiten erwartet.

Aquarellzeichnung eines kolonialen Gebäudes mit Garten, darüber der Buchtitel „Das Pfarrhaus“ von Carys Davies.

Carys Davies: „Das Pfarrhaus“. Luchterhand Verlag. 320 Seiten. 25,70 Euro.

Leises Stöhnen

Sie braucht keine großen Gesten: Ein Detail, ein schiefer Blick, ein unbeantwortetes Flehen – und schon sitzt man mitten in der Geschichte. Wenn unser Protagonist Byrd nachts um drei aufwacht und plötzlich begreift, dass der Pfarrer ihn möglicherweise als Ehemann für Priscilla auserkoren hat, entlädt sich keine dramatische Szene, sondern nur das leise Stöhnen eines Mannes, der sich überfordert und schuldlos schuldig fühlt.

Meisterstück der Knappheit

Stilistisch ist der Roman ein Meisterstück der Knappheit und entfaltet nichtsdestotrotz ein feines Gespür für das, was unter der Oberfläche liegt. Im Hintergrund befindet sich dabei stets das beständige Grollen religiöser Spannungen, die nirgendwo explodieren, aber die Stille dennoch bestimmen.

Wer Indien-Romane im Stil des großen Schweigens liebt – E. M. Forster lässt grüßen –, wird bei Carys Davies fündig. Selten war literarische Zurückhaltung so wirkungsvoll wie hier.

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