Buchkritik: Ferdinand von Schirach und "Nachmittage"

Buchkritik: Ferdinand von Schirach und "Nachmittage"
Er schneidet wieder in die Dunkelheit und ritzt in sein eigenes Leben

Markus Lanz hat in seiner Talkshow in Gegenwart des Autors geschleimt, „Nachmittage“ sei dessen bestes Buch. Ist es nicht. Denn erstmals hat man bei Ferdinand von Schirach das Gefühl, dass sich Kurzgeschichten von ihm aufdrängen (vordrängen): So wichtig sind sie. Erstmals klingt manches erzwungen.

Aber das ändert nichts daran, dass Schirach mit einfachen, klaren Sätzen elegant wie kein Zweiter ist und gewissermaßen mit Schulaufsatz-Deutsch Emotionen auszulösen vermag.

Einsam

Er seziert im neuen Buch nicht nur – erfundene? – Kriminalfälle, sondern schneidet auch ins eigene Leben. Naja, er ritzt ein bisschen. Damit setzt er „Kaffee und Zigaretten“ (2019) fort. Die Einsamkeit wird größer, so viele Menschen kann Schirach gar nicht treffen und sich Schicksale erzählen lassen. Wobei er es mit dem Bildhauer Giacometti halten dürfte, der am Ende sagte: „Ich war einsam. Ich beklage mich nicht. Es war sehr angenehm.“


Ferdinand von Schirach:
„Nachmittage“
Luchterhand
Verlag.
176 Seiten.
23,50 Euro

KURIER-Wertung: ****

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