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Bachmannpreis: Die „literarische Superkraft“ hat gewonnen

Bachmannpreisträgerin Lena Schätte: „In mir wohnt noch immer eine kleine Krankenschwester“
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„Wir finden zueinander, weil wir die dicksten Mädchen der Schule sind.“

Schon der erste Satz aus Lena Schättes Text „Was wir tragen“ wusste zu überzeugen. Schätte, eingeladen vom Schweizer Juror Thomas Strässle, galt seit ihrem Auftritt am zweiten Lesetag als Favoritin.

Am Sonntag wurde die ehemalige Psychiatriekrankenschwester aus dem Ruhrgebiet von der siebenköpfigen Fachjury zur Siegerin des 50. Bachmannwettbewerbs gekürt.

Ihr Text, in dem es um eine dicke junge Frau geht, die „Dickenwitze“ macht, bevor es die anderen tun, handelt von sozialer Ausgrenzung sowie vom Aufwachsen in einem wenig privilegierten Milieu. Ein Thema, das schon im Mittelpunkt ihres 2025 bei S. Fischer erschienenen Romans „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ stand, der es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis schaffte.

Schättes Sieg hatte sich abgezeichnet. Die Jury war sich, wie es heuer sehr selten der Fall war, in weiten Teilen einig über die Qualitäten des Textes gewesen. Laura de Weck hatte der Autorin „literarische Superkraft“ attestiert und sogar der so gut wie immer oppositionelle Philipp Tingler zeigte sich angetan.

Schättes Debütroman „Ruhrpottliebe“ entstand bereits 2014. In den Folgejahren arbeitete sie als Psychiatriekrankenschwester, bis sie 2020 ein Studium des Literarischen Schreibens am Deutschen Literaturinstitut Leipzig begann. Lange Zeit betreute sie neben dem Schreiben suchtkranke Menschen.

„Ich habe noch nie so selbstbewusst gesagt, dass ich Schriftstellerin bin, wie jetzt gerade“, bekannte die 32-Jährige vor Kurzem in einem für den Bachmannpreis aufgenommenen Porträt. „Und trotzdem wohnt noch immer eine kleine Krankenschwester in mir. Ich weiß, dass das hier ein Privilegzustand ist, der sich ganz schnell wieder ändern kann und dass ich vielleicht bald wieder in der Pflege arbeite. Aber das wäre auch nicht schlimm.“

Aus jetziger Sicht ist es unwahrscheinlich, dass Schätte in den Pflegeberuf zurückkehrt. Neben dem mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis gewann Schätte auch den in einem Online-Voting ermittelten BKS-Publikumspreis, der mit einem Aufenthaltsstipendium des Carinthischen Sommers verbunden ist. In einer ersten Reaktion auf den zweifachen Preis sprach Schätte von einem „Fiebertraum“.

Publikumspreis

Der mit 7.500 Euro dotierte 3sat-Preis ging an die österreichische Autorin Magdalena Schrefel, die auf Einladung von Laura de Weck den Text „Kirschen, Herz mit Verstand“ gelesen hatte. Auch ihre Auszeichnung ist keine ganz große Überraschung, sie wurde, neben Schätte, als Favoritin gehandelt.

Der Auftritt der 1984 in Korneuburg geborenen Autorin, die Ethnologie und Literarisches Schreiben studiert hat, war mit Spannung erwartet worden. Sie galt bereits mit ihrem bei Suhrkamp erschienenen Roman „Das Blaue vom Himmel“ als Anwärterin für den Österreichischen Buchpreis 2025.