Catalin Dorian Florescu

© /Martin Walker

Literatur
06/24/2016

Broadway am Schwarzen Meer

Catalin Dorian Florescu: Der Mann, der das Glück bringt

von Peter Pisa

Die beste Verbindung zwischen einer Kutsche in New York, in der sich zum eiskalten Jahreswechsel 1898/’99 ein Zeitungsjunge wärmen darf, und einem liebenswerten russischen Riesen, der im Donaudelta stundenlang bewegungslos sitzt, um zu ergründen, wie lange ein Graureiher auf einem Fuß stehen kann, ...

... ist "Der Mann, der das Glück bringt".

Mit diesem Titel hat sich der Autor nicht selbst gemeint, aber dieses Buch hat Bestandteile, die bei jemandem, der gern liest, für die Ausschüttung von Glückshormonen sorgen kann.

Der in Zürich lebende rumänische Schriftsteller Catalin Dorian Florescu lässt den Hudson River ins Schwarze Meer fließen gewissermaßen; und am Hafen der rumänischen Stadt Sulina taucht plötzlich der Broadway auf, hier wie dort tanzt jemand wie Fred Astaire und singt wie Jimmy Durante.

Leprainsel

Das macht jener Mann, der das Glück bringt. Er ist nicht ganz echt, weil er nur andere imitiert. Aber er erzeugt ein Lächeln. Dafür wurde es höchste Zeit. Denn die beiden Familiengeschichten – New York und Donaudelta – entstehen aus größter Armut.

Sie sind auf Friedhöfen gebaut: Auf der einen Seite spielt der riesige Armenfriedhof auf Hart’s Island eine wichtige Rolle, wo 800.000 Tote bestattet sind.

Auf der anderen Seite versteckt sich eine junge Friseurin, die so gern einmal Amerika gesehen hätte, auf einem Friedhof in Rumänien. Gendarmen suchen sie, denn sie hat Lepra und soll auf einer Donauinsel ausgesetzt werden.

Sie werden einander nie kennenlernen.

Aber ihre Enkelkinder.

Toteninsel

Genug! Es ist besser, an dieser Stelle nur in leicht verwirrender Form über diesen Roman zu berichten. Sonst geht Zauber verloren – der entsteht, wenn man nicht gleich alles weiß.

Florescu kümmert sich in seinen Erzählsträngen nicht allein um die Menschen, die zu überleben versuchen, sondern vergisst dabei auch die Landschaften nicht.

Das Delta, wo Gott Himmel und Wasser voneinander trennte. Und die Straßen von der East Side, von wo aus man den Dampfer beobachten konnte, beladen mit verhungerten, erfrorenen Kindern ... insofern ist ein beherrschender Satz besser zu verstehen: "Es kommt nicht darauf an, wer du bist, sondern nur, wer du vorgibst zu sein."


Catalin Dorian Florescu:
„Der Mann, der das Glück bringt“
Verlag C.H.Beck.
327 Seiten.
20,60 Euro.

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