Modiglianis "Jeanne Hébuterne" (li.), Picassos "Femme Assise" bei der Auktion am 21.6.2016

© Sotheby's

Kunstmarkt
06/22/2016

Brexit entzweit auch Kunsthändler

Ein Picasso-Porträt brachte bei Sotheby's 56,37 Millionen Euro, Christie's hatte bei seiner Auktion weniger Glück.

Picassos „Femme Assise“, ein Bild seiner Geliebten Fernande Olivier aus der kubistischen Phase (1909), wurde zwischen Telefonbietern langsam auf einen Hammerpreis von 38,5 Millionen Pfund gesteigert – mit Prämien hatte der Käufer 43,269.000 Pfund (56,37 Millionen €) zu berappen.

Es war zwar kein absoluter Rekordpreis, aber doch „der höchste Preis, der seit 2010 bei einer Auktion in London für ein Gemälde gezahlt wurde“: In der Auktionsbranche geht sich irgendwie immer ein Rekord aus. Und ein positives Zeichen für den Marktplatz London war am Dienstag, zwei Tage vor dem Brexit-Referendum, in der Branche auch höchst erwünscht.

Tatsächlich verbuchte die Auktion der Sparte „Impressionismus und Moderne“ bei Sotheby's, die den Startschuss zur traditionellen Juni-Auktionswoche der Londoner Häuser gab, solides Interesse.

„Starkes Zeichen“

Von einem „starken Zeichen an den Kunstmarkt“ sprach Helena Newman, die Chefin der Impressionismus- und Moderne-Abteilung bei Sotheby's. Dass der im Vorfeld des Brexit-Referendums in den Keller gesackte Kurs des britischen Pfunds die Kauflaune mancher Sammler befeuert, sei gewiss auch ein Faktor gewesen.

Der sollte sich aber für den Konkurrenten Christie’s nicht bewahrheiten: Bei dessen Auktion am Mittwochabend blieben zwölf von 33 Losen liegen, darunter Werke von Picasso, Monet und Renoir. Das Modigliani-Porträt „Madame Hanka Zborowska“ kam auf 8,2 Millionen Pfund (mit Prämien) und lag damit knapp über dem Schätzwert.

Das Vereinigte Königreich ist der zweitgrößte Kunstmarkt der Welt, laut TEFAF-Report werden 21% aller Umsätze hier gemacht.

Über die möglichen Auswirkungen eines „Brexit“ ist die Londoner Kunstszene durchaus gespalten. Manche Händler sind durchaus dafür, denn ihnen sind EU-Regelungen wie die Folgerechtsabgabe – ein Teil des Erlöses muss dabei an Künstler bzw. deren Erben abgeführt werden – ein Dorn im Auge. Auf die Einbringungen bei Auktionen habe Londons Status nicht unbedingt Einfluss, erklärte Newman, man bemühe sich in der ganzen Welt um Werke. Der KURIER-Frage nach konkreten Auswirkungen wich die Expertin aber aus: „Ich will gar nicht denken, was dann passiert. Es wird nicht passieren.“

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