Branford Marsalis: Aufregend und intensiv

EPAepa02811089 US saxophonist Branford Marsalis performs during the closing concert of the International Jazz Festival of Guetxo, Vizcaya, northern Spain, 05 July 2011.  EPA/MIGUEL TONA
Foto: EPA Viel Raum für Improvisation: Branford Marsalis, der Jazz-Saxofonist aus New Orleans, hat auch nach drei Jahrzehnten im Musikbisuness noch viel Spaß am Spielen.

Kritik: Der Jazz-Saxofonist Branford Marsalis war mit seinem neuen Quartett im Wiener Porgy & Bess.

Branford, der Älteste der Marsalis-Brüder und der neben Wynton weniger Berühmte, steht – trotz einiger Flirts mit der Klassik als Solist in Zusammenarbeit mit Symphonieorchestern– für vitalen, meist swingenden Modern Jazz auf höchstem Niveau. Sein technisch virtuoses Spiel an Sopran- und Tenor-Sax und sein lyrischer Ton erfuhren auch schon durch Pop-Stars wie Sting Wertschätzung. Sein langjähriges Quartett gibt er dank des neuen Schlagzeugers Justin Faulkner als neue Band aus – und erklärt das Überraschungsmoment zum wesentlichen Element der Musik im Allgemeinen und seines mittlerweile unverwechselbaren Sounds im Besonderen.

Wie beim neuen, vor Ideen sprühenden Album "Four MFs Playin’ Tunes" (Universal) – wobei MFs für "Motherfuckers" steht – geht`s auch live im zum Bersten gefüllten Porgy & Bess zu: aufregend, direkt und intensiv. Obwohl der 51-Jährige keineswegs mit Akrobatik blendet und auch nicht mit inszenierter Dynamik kalkuliert.

Großartige Session

Ob eine melancholische Ballade, rasant zupackender Bebop oder Sperriges wie das Stück "As Summer Into Autumn Slips": Diese Musik ist spartanisch, herb, kompakt, explosiv, spontan, experimentell, packend und gibt vor allem der Improvisation viel Raum.
Obwohl sich das Ritual in schöner Regelmäßigkeit wiederholt: Marsalis gibt das Thema vor, überlässt dann den Kollegen Joey Calderazzo (Klavier) und Eric Revis (Bass) das Spielfeld für inspirierte Soli, um am Ende wieder einzusteigen und auf seinem Instrument die ganze Farbenpracht vom warmen Vibrato bis zum schneidend scharfen Ton auszubreiten.

Da hat einer auch nach mehr als drei Jahrzehnten im Musikbusiness noch immer hörbar viel Spaß am Spiel und obendrein Wut im Bauch. Und es ist ein schöner Qualitätsbeweis, wenn Marsalis sagen kann: "In dieser Besetzung habe ich viele Freiheiten. Wir lassen uns von der Musik leiten und nicht umgekehrt."

KURIER-Wertung: **** von *****

(kurier) Erstellt am
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