Brandauer und Minichmayr in Großproduktion

Hatten sichtlich Spaß, trotz eines langen Drehtages: Klaus Maria Brandauer, Birgit Minichmayr und "The Boundary Man"-Regisseur Antonin Svoboda (links).
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Die Dreharbeiten zu dem Millionenprojekt "The Boundary Man" sind vor dem Abschluss. Der Film über den Forscher Wilhelm Reich soll 2012 ins Kino kommen

In diesem Herbst ist Österreich Schauplatz für mehreren Kino-Großproduktionen. Während in Klosterneuburg für die aufwändige Kehlmann-3D-Verfilmung "Die Vermessung der Welt" gedreht wird, fanden an mehreren Schauplätzen in Wien und Niederösterreich in den vergangenen Wochen Dreharbeiten zu dem Film "The Boundary Man" statt. Die ambitionierte, rein österreichisch finanzierte Produktion behandelt die letzten Lebensjahre des österreichischen Psychonanalytikers und Grenzforschers Wilhelm Reich, als dieser im amerikanischen Exil um Anerkennung für seine umstrittenen Forschungen kämpfte. Der Film, der mit einem Budget von rund 3,4 Millionen Euro gedreht wird, ist starbesetzt: Neben Klaus Maria Brandauer stehen Birgit Minichmayr, Julia Jentsch ("Sophie Scholl") sowie Gary Lewis ("Gangs of New York") und David Rasche ("Burn after Reading") vor der Kamera, Martin Gschlacht ("Atmen") sorgt hinter ebendieser für die Bilder.

Bei einer Pressekonferenz in Wien zogen Regisseur Antonin Svoboda und sein Team am vergangenen Wochenende eine Zwischenbilanz. Svoboda ("Immer nie am Meer") ist schon seit Jahren auf den Fersen des facettenreichen Wissenschaftlers. 2009 legte er mit "Wer hat Angst vor Wilhelm Reich?" bereits eine Doku vor, die dem von Reich postulierten sogenannten Orgon, einer allumfassenden "spezifisch biologischen" Energie, sowie dem Leben des Freud-Schülers nachspürte. 1939 gelang Reich die Flucht in die USA, bereits seit 1933 waren seine Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt worden.

"The Boundary Man" fokussiert allerdings auf jene Phase, als Reich Mitte der 1950er-Jahre in Konflikt mit den US-Behörden kam. "Die letzten zehn Jahre in Reichs Leben sind vielleicht deshalb besonders interessant, weil sie auch denjenigen, die sich mit Reich beschäftigen, ein Mysterium sind", begründete Regisseur Svoboda seine Entscheidung. Ausgehend von einer Gerichtsverhandlung, bei der Reich wegen Betruges angeklagt ist, schildert "The Boundary Man" mittels Rückblenden die Forschung des Sexualforschers an seiner "Orgonomie", mit der Reich in den USA ebenso aneckte wie mit seiner kritischen Haltung gegenüber der Atomenergie. Zwei Jahre nach seiner schließlich erfolgten Verurteilung verstarb Reich 1957 im Gefängnis.

"Der Wilhelm Reich, den man nicht googeln kann"

Hatten sichtlich Spaß, trotz eines langen Drehtages: Klaus Maria Brandauer, Birgit Minichmayr und "The Boundary Man"-Regisseur Antonin Svoboda (links). Foto: APA Hatten sichtlich Spaß, trotz eines langen Drehtages: Klaus Maria Brandauer, Birgit Minichmayr und "The Boundary Man"-Regisseur Antonin Svoboda (links).

Dargestellt wird der Exilösterreicher von Klaus Maria Brandauer, der sich in Wien sehr erfreut zeigte, dass ihn Svoboda schon vor Jahren auf die Rolle angesprochen hatte: "Überall dort, wo ich das Gefühl habe, dass ich etwas für mich selbst im Unwägbaren, im Ungefähren tun kann, macht mir das einen Riesenspaß." Dass Reich in der Endphase seines Lebens als wissenschaftlicher Außenseiter umstritten war, hat Brandauer nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: "Ich bin auf der Welt als künstlerischer, denkender Mensch, um die Leute zu unterstützen, die in der Minderheit sind - um die Mehrheit muss man sich ja nicht kümmern."

Man wolle im Film "den Reich zeigen, den man nicht googeln kann". Mit Verve beschrieb Brandauer, der erstmals seit "Jedermanns Fest" (2002) wieder in einem österreichischen Film spielt, Wilhelm Reich als eine Art Künstler, der von seiner Sache überzeugt ist, und dabei mit seiner Arbeit die wesentlichen Verbindungen zum Kosmos erforscht habe: "Es ist etwas hier auf der Welt, das uns alle mit dem Universum verbindet, und wir wissen es auch alle, nur vergessen wir es wieder. Und Reich ist der Kerl, der mich wieder darauf gestoßen hat."

Lehrer und Schülerin

Hatten sichtlich Spaß, trotz eines langen Drehtages: Klaus Maria Brandauer, Birgit Minichmayr und "The Boundary Man"-Regisseur Antonin Svoboda (links). Foto: APA Hatten sichtlich Spaß, trotz eines langen Drehtages: Klaus Maria Brandauer, Birgit Minichmayr und "The Boundary Man"-Regisseur Antonin Svoboda (links).

Begeistert zeigte sich auch Birgit Minichmayr, vor allem über die Zusammenarbeit mit Brandauer, ihrem einstigen Schauspiellehrer am Reinhardt-Seminar: "Ich fand es sehr aufregend und ganz toll. Früher ist Klaus unten gesessen, und ich bin oben gestanden. Jetzt hat man so 'was wie eine Ebene, wo man miteinander spielt. Ich find's fantastisch." Darauf ließ es sich Brandauer nicht nehmen, die etwas kurz gehaltenen Ausführungen von Minichmayr zu kommentieren: "Darf ich etwas dazu sagen? Vor ungefähr zehn Jahren wurde Birgit beim 'Turnier auf der Schallaburg' - eine super Radio-Sendung - die Frage gestellt, was sie von mir hält. Sie hat nach einer langen Pause gesagt: Vü (viel, Anm.). Also das hier war jetzt schon eine viel bessere Auskunft."

Damit hatte KMB ebenso die Lacher auf seiner Seite, wie mit weiteren lobenden Worten für seine Filmpartnerin: "Das ist doch toll für einen alten Lehrer, einen alten Sack, mit seiner Schülerin zu spielen." Dass Brandauer, darauf verwies, dass sie noch dazu ein Liebespaar zu spielen hätten, sorgte bei Minichmayr für besonders lautstarke Erheiterung. Sie spielt in "The Boundary Man" Aurora, Reichs späte Geliebte und letztlich auch dessen Verräterin.

Gedreht wird der Film auf Englisch. Bei der Pressekonferenz ebenso anwesend war US-Schauspieler David Rasche, der im deutschen Sprachraum vor allem mit der Comedy-Krimi-Serie "Sledge Hammer" bekannt wurde. Über die Tatsache, dass der Film auch eine dunkle Phase in der US-Nachkriegsgeschichte beleuchte, die McCarthy-Ära und ihre Kommunistenhatz, wollte sich der Amerikaner allerdings kein klares Urteil erlauben, die Rechtssprechung sei damals zumindest "kompliziert" gewesen, so Rasche.

Niederösterreich mutiert zu Maine

Hatten sichtlich Spaß, trotz eines langen Drehtages: Klaus Maria Brandauer, Birgit Minichmayr und "The Boundary Man"-Regisseur Antonin Svoboda (links). Foto: APA Hatten sichtlich Spaß, trotz eines langen Drehtages: Klaus Maria Brandauer, Birgit Minichmayr und "The Boundary Man"-Regisseur Antonin Svoboda (links).

Seit dem Drehstart am 27. September wurden insgesamt 23 Drehtage in Österreich absolviert, der letzte diesen Montag. Noch diese Woche bricht die Filmcrew in die spanische Tabernas-Wüste auf, wo noch jene Szenen gedreht werden, in denen Reich seine visionäre Erfindung eines Wolkenbrechers erprobt.

In Niederösterreich wurde ebenfalls ein Teil der Vereinigten Staaten nachgestellt. So wurde etwa im Waldviertel, unter anderem am Ottensteiner Stausee, in Allensteig und bei Oed, jene Szenen gedreht, die im US-Bundesstaat Maine spielen. Laut Alexander Glehr von Novotny & Novotny (koproduziert mit Coop 99) habe vor allem die ähnliche Vegetation für diese Entscheidung gesprochen. Das Waldviertel liege fast auf dem selben Breitengrad wie der nördliche US-Staat. Auch finde man in Niederösterreich eine landschaftliche Weite, wie sie in anderen, dichter bebauten Gegenden Österreichs, nicht gegeben sei. Weshalb sich bei der Pressekonferenz auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll erfreut zeigte und wortreich um weitere Filmprojekte warb: "Wir sind für alle Schandtaten zu haben."

Wie sich das Waldviertel geschlagen hat, und natürlich auch der prominente Cast, soll man dann ab Herbst 2012 auf der Kinoleinwand überprüfen können.

(KURIER.at) Erstellt am
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