Jan Böhmermann muss wohl vor die Staatsanwaltschaft treten.

© APA/dpa/Henning Kaiser

Fall Böhmermann
10/05/2016

Böhmermann: "Das ist ein großer, trauriger Witz"

Freude beim Satiriker, Zorn in Ankara: Für Merkel wird die Einstellung des Verfahrens Nachwehen haben.

von Evelyn Peternel

Das Kanzleramt will die ganze Chose nicht mehr kommentieren. "Es ist alles gesagt", sagt Angela Merkels Sprecher am Mittwoch, weitere Wortspenden gäbe es keine. Es scheint, als ob man nach der Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die von Recep Tayyip Erdoğan angestrengten Untersuchungen im Fall Böhmermann einzustellen, schnellstens zur Tagesordnung übergehen will.

So einfach dürfte allerdings nicht werden. Die Regierung in Ankara ist nämlich ziemlich verstimmt: "Das ist ein Armutszeugnis für die deutsche Justiz", empörte sich Mustafa Yeneroglu, ein deutsch-türkischer AKP-Abgeordneter und Vertrauter des Präsidenten. Die Einstellung sei "ein Skandal"; Erdoğan werde dagegen Beschwerde einlegen.

"Unseriöser Quatschvogel"

Jan Böhmermanns Reaktionen war klarerweise eine andere. Für ihn ist die Einstellung ein Triumph, auch über die Kanzlerin, die die Sache mit ihrem Placet für die Ermittlungen ja erst groß werden ließ. In einem Video-Statement freute er sich darüber, dass die Staatsanwaltschaft ihn für einen "unseriösen Quatschvogel" halte, der "beruflich Blödsinn macht"; daneben brachte er auch ernsthafte Kritik an. Das Theater um die Causa sei angesichts des Tatsache, dass in der Türkei Menschen in Haft säßen, weil sie sich kritisch mit dem Staat auseinandersetzten, ein "großer, trauriger Witz", sagte er. "Wenn ein Witz eine Staatskrise auslöst, ist das nicht das Problem des Witzes, sondern des Staates", sagte er mit Verweis auf die Meinungsfreiheit, bevor er mit dem Monty-Python-Klassiker "Always look on the bright side of life" schloss.

Eine neue Ohrfeige für Erdoğan, wie mancher Beobachter mutmaßte, verteilte er nicht. Vorüber ist die Sache aber weder für ihn, auf den noch der privatrechtliche Teil der Anzeige wartet, noch für die Kanzlerin. Erste Nachwehen bekam sie schon zu spüren: Eine Gruppe Bundestagsmandatare, die nach langem Gezerre endlich die NATO-Basis Incirlik auf türkischem Boden besuchen durften, wurde das Gespräch mit der türkischen Regierung verweigert – ohne Angabe von Gründen.

Böhmermanns Video-Statement

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