Kultur
07.09.2018

Böhmermann lästert über Helene Fischers Statement zu Chemnitz

Der deutsche TV-Satiriker provoziert nicht nur Fans der Schlagersängerin, sondern auch jene von Andreas Gabalier.

"Tatenlos durch die Nacht" schrieb ntv.de und kritisierte  Fischers Fehlen beim "Wir sind mehr"-Konzert in Chemnitz nach den migrantenfeindlichen Demonstrationen und Ausschreitungen der vergangenen Wochen.

Die deutsche Schlagersängerin hält sich üblicherweise mit politischen Statements zurück. Doch am Dienstag wandte sich Fischer bei einem Konzert in Berlin an die Fans. "Erhebt gemeinsam mit mir die Stimmen gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit." Auch in den sozialen Medien äußerte sich Fischer zur gesellschaftlichen Spaltung in Deutschland. "Wir können und dürfen nicht ausblenden, was zur Zeit in unserem Land passiert, doch wir können zum Glück auch sehen wie groß der Zusammenhalt gleichzeitig ist - das sollte uns stolz machen“, schrieb die 34-Jährige auf Instagram und Facebook. Dazu setzte sie den durch das Chemnitzer Konzert gegen Rechts bekanntgewordenen Hashtag #wirsindmehr, sowie #wirbrechendasschweigen und #schreiteslaut.

#AntifaDurchDieNacht

Neben lobenden Worten gab es dafür auch Spott, und für den zeichnete TV-Satiriker Jan Böhmermann verantwortlich. Angesichts von Fischers politischer Positionierung sei "vielen Nazis vor Schreck die Andreas-Gabalier-CD aus dem Discman gerutscht", sagte Böhmermann am Donnerstag in seiner Comedy-Show "Neo Magazin Royale". Zur Erklärung: Der österreichische Sänger war zuletzt in einer Buchveröffentlichung und in Medienberichten in die Nähe der rechtspopulistischen Partei AfD gerückt worden.

Böhmermann konzentrierte sich aber bei seinen Scherzen vor allem auf Fischer. Diese sei nun wohl unter die Linksaktivisten gegangen, womit sie auch mit dem Hashtag der Woche geadelt wurde, den er in Anlehnung an ihren größten Hit "#AntifaDurchDieNacht taufte. "Helene Fischer ist jetzt bei der Antifa. Demnächst in der ersten Reihe gegen Bullenschweine", ätzte Böhmermann, der selbst Sohn eines Polizisten ist.

Die 500 besten Bild-Redakteure müssten nun laut Böhmermann "unter Peitschenhieben von Julian Reichelt (Bild-Chefredakteur, Anm.) Helene-Fischer-DVDs nach Hitlergrüßen untersuchen". Dem nicht genug: "Der Verfassungsschutz sollte ab sofort das Frühlingsfest der Volksmusik beobachten," sagte Böhmermann mit Blick auf Florian Silbereisens diverse Fernsehfeste, in denen für gewöhnlich Silbereisens Partnerin Helene Fischer zu Gast ist. Was Böhmermann zu der nicht ganz ernst gemeinten Frage führte, ob man das " Frühlingsfest der Volksmusik" in Sachsen ins "Frühlingsfest der Volksverräter" umbenennen müsse.

Eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz hätte aber auch ihr Gutes, erklärte Böhmermann: "Jetzt ... stehen die Chancen nicht so schlecht, dass demnächst ihre Songs verboten werden."

Auch Lob für Fischer

Im echten Leben könnte Fischers Engagement aber tatsächlich auf fruchtbaren Boden fallen. Die deutsche Internet-Größe und Plakatkünstlerin "Barbara" ("Hass ist krass. Liebe ist krasser.") bedankte sich auf Facebook für deren Worte und schrieb: "Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass wir im Kampf gegen Nazis und für eine offene und freie Gesellschaft vor allem dann MEHR sind, wenn wir es schaffen unter anderem auch eine Brücke zwischen Punkrockern und Schlagerfuzzis und so zu schlagen."

Am Montag hatten Musiker wie die Toten Hosen, Kraftklub und Marteria mit einem Konzert in Chemnitz ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt. Im Rahmen dieses „#wirsindmehr“-Konzerts hatte etwa der Songwriter Bosse gefordert, dass sich mehr erfolgreiche Musiker zu Wort melden sollten. "Barbara" hatte in einem tausendfach gelikten Post bei Facebook eine Art offenen Brief an Helene Fischer geschrieben, in dem sie sich wünschte, Fischer solle in Chemnitz ein Konzert gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geben: "Die Verteidigung der freien und offenen Gesellschaft braucht ganz dringend die breite Mitte der Bevölkerung und Sie könnten diese sooo gut erreichen."