Bob Dylan trat erstmals in Peking auf

Bob Dylan bei seinem Auftritt in Peking. Ein Drittel der Plätze blieb leer.
Foto: epa

"Forever Young" in China: Vor seinem Auftritt musste Bob Dylan sein Programm von den chinesischen Behörden abgsegnen lassen.

Inmitten einer erneuten Welle der Repression gegen Dissidenten hat die US-Rocklegende Bob Dylan erstmals ein Konzert in China gegeben. Der 69-jährige Musiker wurde am Mittwoch zum Ende seines Auftritts im Arbeiter-Stadion von Peking vom Publikum begeistert gefeiert. Der für seine politischen Liedtexte bekannte Sänger, Pianist und Gitarrist hatte sein Programm zuvor von den chinesischen Behörden absegnen lassen müssen.

Die Ikone der US-Protestbewegung spielte alte und neuere Stücke. Das Publikum, das sich vorwiegend aus jungen Chinesen und älteren Ausländern zusammensetzte, reagierte zunächst verhalten, doch nach dem Protestlied "Hard Rain" kam Stimmung auf. Auch seine Solos auf der Mundharmonika lösten starken Applaus aus, und am Ende des 90-minütigen Konzerts wurde Dylan zwei Mal auf die Bühne zurückgerufen, um "Like a Rolling Stone" und "Forever Young" zu singen.

Keine politischen Botschaften

Nachdem die Behörden Dylan vergangenes Jahr eine Erlaubnis für ein Konzert verweigert hatten, stimmten sie nun einem Auftritt zu. Doch stellten sie zur Bedingung, dass er sich streng an das von ihnen zuvor genehmigte Programm halten müsse. Die chinesische Führung geht derzeit wieder verstärkt gegen politische Dissidenten und kritische Künstler vor. Erst am Sonntag war der international bekannte Künstler Ai Weiwei festgenommen worden, über seinen Verbleib war bis Mittwoch nichts bekannt.

Politische Äußerungen machte Dylan am Mittwoch nicht und verzichtete auch darauf, seine politischsten Lieder wie die Hymne der Friedensbewegung "Blowin'in the Wind" zu singen. Rund ein Drittel der Sitze blieb frei. Bei Kartenpreisen von umgerechnet bis zu 140 Euro, was einem Durchschnittslohn in China entspricht, konnten sich nur die wenigsten den Eintritt leisten. Am Freitag wird Dylan in Shanghai spielen, kommende Wochen sind zwei weitere Auftritte in Hongkong geplant.

"Ikone des Dissens"

Die chinesischen Medien berichteten im Vorfeld des Auftritts in Peking breit über die Karriere Dylans, der im Mai 70 Jahre alt wird. Die englischsprachige Global Times schrieb, "eine Ikone des Dissens' kommt in eine Nation, die Wert auf Harmonie legt". Dylans Themen wie etwas Drogen, Rassismus, Menschenwürde und Krieg seien "nicht auf dem Radar des gewöhnlichen Chinesen".

Der Musiker Zuoxiao Zuzhou bezeichnete Dylan als "den begabtesten und talentiertesten Folk- und Rockmusiker der 1960er". "Er war sehr kritisch gegenüber der Regierung und sah Rock 'n Roll-Musiker als die Stimme der Schwachen an ... Ich bin ihm sehr dankbar für seinen Einfluss auf mich", schrieb er in der "Beijing News". Zuoxiao war am Sonntag im Zusammenhang mit der Festnahme seines engen Freundes Ai Weiwei durch die Polizei befragt worden.

(APA/AFP / tem) Erstellt am
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