Kultur
16.11.2018

Black Eyed Peas im KURIER-Gespräch: Große Liebe – immer wieder

Die Band spricht über ihr Virtual-Reality-Projekt, die Rückkehr zum Hip-Hop und den einzigen Vorteil von Trumps Tweets.

Zulu X ist ein Hip-Hop-Star aus der Bronx, der eine Brille besitzt, die ihn jede Lüge durchschauen lässt. Während er mit seiner Rap-Band auf Tour in Los Angeles ist, bricht dort eine Epidemie aus: Eine von Aliens ausgegebene Droge verwandelt die Leute reihenweise in Zombies. Am Ende bringt Zulus Hip-Hop-Crew die verfeindeten L.A.-Gangs Bloods und Crips zusammen, um gemeinsam gegen die Aliens zu kämpfen.

Das ist die Story zum Black Eyed Peas Comic-Buch „Masters Of The Sun“. Im Interview mit dem KURIER erzählen Apl.de.ap und Taboo (Will.i.am lag krank im Bett), wie die Comic-Story  ihr Comeback-Album „Masters Of The Sun – Vol. 1“, ihre Rückkehr zum Hip-Hop und die neuerdings wieder sozial-kritischen Texte inspiriert hat. Nur Fragen zum Abgang von Sängerin Fergie sind verboten. Der ist laut Management ein „zu sensibles Thema“.

KURIER: Die Hip-Hop-Crew in dem Comic sind die Black Eyed Peas, oder?

Apl.de.ap: Na ja, wir sind keine Superhelden mit Superkräften. Aber es ist schon eine Analogie, dass wir in unserer Karriere auch immer versucht haben, die Leute zusammen zu bringen und Positives zu bewirken. Die andere Parallele ist zu unserer Jugend. Wenn wir im Comic über „c-drops“ sprechen, symbolisiert das die Crack-Epidemie, die in den 80er-Jahren unsere Gemeinden heimgesucht und zerstört hat.

Wie hat sich das damals auf Sie persönlich ausgewirkt?

Taboo: Ich bin in East L.A. aufgewachsen, da gab es dauern Gewalttaten von Gangs, denn es gab eine Spaltung zwischen der asiatischen und der mexikanischen Gemeinde. Es gab auch jede menge Drogen. Aber die Crack-Epidemie war mehr in South Central Los Angeles. Dort wohnten die Verarmten. Und als Crack aufkam, wurden sie süchtig. Weil sie aber kein Geld hatten, begannen sie zu stehlen, rauben und sogar zu morden, um zum nächsten High zu kommen. So basiert die Comic-Story von „Masters Of The Sun“ mehr auf South Central.

Wie wurde das Album „Masters Of The Sun – Vol. 1“ von der Comic-Story inspiriert? Die Texte scheinen ja eher die Probleme der heutigen Zeit aufzugreifen.

Apl.de.ap: Das Album hat textlich schon viel mehr Parallelen zur Realität. Aber wir haben zum Comic auch eine Virtual-Reality-App und eine Augmented-Reality-App. Die Stimmen der Figuren werden dabei von Leuten wie Rakim, Ice-T, Queen Latifah, Snoop Dogg und all den anderen Größen der Rap-Szene der damaligen Zeit gesprochen. Das hat uns dazu inspiriert, für das Album musikalisch wieder zu den Sounds dieser Zeit und zum Hip-Hop zurückzukehren.

Taboo: Hans Zimmer, der vielleicht beste Film-Musik-Komponist aller Zeiten, hat den großartigen jazzigen Soundtrack für die Apps geschrieben. Das hat uns dazu gebracht, „Masters Of The Sun – Vol. 1“ als Kunstprojekt anzugehen, es jazziger werden zu lassen, Musiker mit realen Instrumenten und Streicher einzubauen. Gleichzeitig liegt die Rückkehr zum Hip-Hop auch daran, dass wir vor 20 Jahren unser erstes Album „Behind The Front“ veröffentlicht haben. Wir wollten mit den neuen Songs auch daran anschließen.

Nach den anfänglichen Hip-Hop-Alben ist Ihr Sound sehr poppig und kommerziell geworden. Speziell in den späten Nuller-Jahren während der Präsidentschaft von Barack Obama drehten sich Ihre Texte nur mehr um Partys und gemeinsames Feiern. Liegt die Rückkehr zum Hip-Hop und den politischen Texten nicht vielleicht auch an den anderen Zeiten und der Ära von Trump?

Taboo: Wir nennen es lieber soziale Kommentare. Wir sind keine Politiker und würden niemals sagen, wir machen politische Songs. Wir machen Songs, die sich an Bob Marleys „Get Up, Stand Up“ orientieren. Da ging es mehr darum, die Leute zusammenzubringen. Genauso bei den Black Eyed Peas: Mehr als Missstände anzuprangern geht es uns darum, Hoffnung, Positivität und Liebe zu verbreiten.

Apl.de.ap: Wir fühlen uns gesegnet, dass wir so viel reisen, die Welt sehen und so ein gutes Bild unserer Umgebung und der Begleitumstände unserer Zeit zeichnen können. Also haben wir diesmal die Plattform unserer Musik dazu benützt, Themen wie Immigration, Amokschützen und Schul-Massaker aufzugreifen. Und am Schluss steht der Song „Big Love“, der zur Einigkeit aufruft. Es klingt zwar klischeehaft, und wir haben das schon früher in „Where Is The Love“ gemacht. Aber Empathie und Mitgefühl sind heute notwendiger denn je. Natürlich ist es bedauernswert, dass wir solche Songs immer noch und immer wieder singen müssen. Da fragt man sich schon: Wird sich je etwas ändern?

Wie sehen Sie die Chancen, dass sich bald etwas ändert?

Taboo: Schwer zu sagen. Alles was wir tun können, ist, unsere Plattform der Musik zu nützen, um ein Bewusstsein für die Missstände zu erzeugen und den Leuten, die davon betroffen sind, eine Stimme zu geben. Diese Texte reflektieren aber auch, was uns drei vor den Aufnahmen zu dem Album beschäftigt hat: Will.i.am macht nämlich viel Benefizarbeit mit Kindern in East L.A. Ich habe eine Krebserkrankung überlebt und engagiere mich deshalb auf diesem Gebiet, aber auch für die amerikanischen Ureinwohner. Und Apl arbeitet mit unterprivilegierten Kindern auf den Philippinen.

Sie haben Fans, die in den Sozialen Medien respektvoll auftreten mit Meet & Greets mit den Black Eyed Peas belohnt und den aggressiven Umgangston auf Facebook oder Twitter auch zum Thema der Songs gemacht. Wie schwierig ist es, da gegenzusteuern, wenn Trump diesen Ton als normal erscheinen lässt?

Apl.de.ap: Seine unverschämten Tweets sind natürlich ein Wahnsinn. Eines haben sie aber jetzt bewirkt: Bei den Midterm-Elections haben sie alle dazu gebracht, zu reagieren, wählen zu gehen, ihr Stimmrecht als wichtig zu erkennen und zu benützen. Für mich ist es das erste Mal, dass ich erlebt habe, dass alle zur Wahl gehen – Schwarze, Jugendliche, Minoritäten, einfach alle. Das ist aber der einzige positive Effekt seiner idiotischen Tweets.