© Kurier/Franz Gruber

Gespräch
11/19/2020

Birdy: Für vier Songs ein letztes Mal unendlich traurig

Die Piano-Balladen-Königin erzählt im KURIER-Gespräch, wie sich ihr Sound in eine neue Richtung entwickelt hat

von Brigitte Schokarth

Lymington, ein Küstenort in Südengland, vor 16 Jahren. Die Konzertpianistin Sophie Roper-Curzon steht in ihrem Haus unten am Stiegenaufgang und lauscht den Songs, die ihre Tochter oben am Klavier spielt und singt. Mit großer Sorge. Denn die achtjährige Jasmine hat diese Songs selbst geschrieben, und sie klingen unendlich traurig.

„Später hat mir meine Mutter erzählt, dass sie sich damals immer gedacht hat, was ist nur los mit meinem Kind“, erinnert sich Birdy lachend im KURIER-Interview. „Sie war zwar stolz, dass ich schon Lieder schrieb, aber sie wusste nicht, warum die so melancholisch waren.“

Damals wusste Birdy, wie sich Jasmine van den Bogaerde, Tochter von Roper-Curzon und dem Schriftsteller Rupert van den Bogaerde, als Künstlerin nennt, das selbst nicht. Heute weiß sie das sehr wohl. Gerade hat Birdy nämlich die EP „Piano Sketches“ veröffentlicht, für die sie vier ebenso traurige Songs geschrieben hat, die von einer zerbrochenen Liebe handeln.

„Diese Songs sind persönlicher als alles, was ich bisher geschrieben habe. Deshalb sind sie mir sehr wichtig. Weil sie aber nicht zu dem Album passen, an dem ich arbeite, wollte ich sie in dieser rohen Klavier-Gesangs-Form veröffentlichen, mit der ich zu meinen Wurzeln zurückkehre.“

Die Wurzeln liegen bei Birdy, die mit 15 ihren ersten Plattenvertrag unterschrieb, in der Klassik. Sie begann mit sieben Jahren Klavier zu lernen – allerdings nicht von der Mutter: „Sie hat mir anfangs ein paar Sachen gezeigt, aber sie mag das Unterrichten nicht so gerne. Erst als ich begann, eigene Klavierstücke zu schreiben und später auch dazu zu singen, war meine Mum immer diejenige, der ich sie zuerst vorspielen wollte. Denn sie war so gut darin, zu erkennen, wo ich noch was in meiner Performance verbessern konnte.“

Mit den Auftritten hatte Birdy, die diesen Spitznamen von den Eltern bekam, weil sie immer wie ein Vögelchen singend durch Haus ging, anfangs Probleme. „Das erste Mal öffentlich gesungen habe ich, als ich für eine Theateraufführung in der Schule einen Song geschrieben hatte. Damals war es mir schrecklich peinlich, auf der Bühne zu stehen.“

Mittlerweile hat Birdy für drei Alben 34 Platinauszeichnungen. Obwohl sie längst eine eigene Wohnung in London hat, lagern die Awards noch immer im Elternhaus in Lymington.

Dort hat Birdy auch die Corona-Zeit verbracht. „Diese Gegend namens New Forest ist wunderschön und ich konnte viel Zeit mit meiner Familie verbringen, was ich davor durch die vielen Tourneen nicht konnte. Außerdem male ich auch sehr gerne und hatte dafür wieder Zeit.“ So hat Birdy jeden Song von „Piano Sketches“ mit einer Zeichnung illustriert und hofft, Ähnliches auch für ihre 2021 erscheinende vierte Platte machen zu können.

Den Titel des kommenden Albums verrät sie nicht. Nur, dass sie damit im Sound neue Wege geht und die traurigen Pianoballaden hinter sich lässt: „Ich habe es in Nashville aufgenommen und dafür sehr viel auf der Gitarre geschrieben, mit der ich rhythmischere Sachen machen kann. Es hat Einflüsse von britischem Folk, von Joni Mitchell und Nick Drake, aber auch von altem Soul wie Nina Simone und Etta James. Somit ist es das Gegenteil zu meinem vorigen Album, das einen vollen theatralischen Sound hatte.“

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